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Johann Wolfgang Goethe - Poesie
Johann Wolfgang Goethe

Johann Wolfgang von Goethe 
(Frankfurt 1749 - Weimar 1832): 
Ausschnitt aus dem Ölgemälde 
von Joseph Karl Stieler - 1828 
Neue Pinakothek, München

Gedichte

Bleibe, bleibe bei mir

Lieb um Liebe

Ja, die Augen warens

Mailied

Die Liebende schreibt

An Mignon

Neue Liebe, neues Leben

Nähe des Geliebten

Laß dich, Geliebte

Die schöne Nacht

Erster Verlust

Christel

Blick um Blick

Rastlose Liebe

Der Fischer

Selige Sehnsucht

Bleibe, bleibe bei mir

Bleibe, bleibe bei mir, Holder Fremdling, säße Liebe, Holde süße Liebe, Und verlasse die Seele nicht ! Ach, wie anders, wie schön Lebt der Himmel, lebt die Erde, Ach, wie fühl ich, wie fühl ich Dieses Leben zum erstenmal !


Johann Wolfgang Goethe



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Lieb um Liebe

Lieb um Liebe, Stund um Stunde, Wort um Wort und Blick um Blick; Kuß um Kuß vom treusten Munde, Hauch um Hauch und Glück um Glück. So am Abend, so am Morgen ! Doch du fühlst an meinen Liedern Immer noch geheime Sorgen; Jussuphs Reize möcht ich borgen, Deine Schönheit zu erwidern.


Johann Wolfgang Goethe



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Ja, die Augen warens

Ja, die Augen warens, ja, der Mund, Die mir blickten, die mich küßten. Hüfte schmal, der Leib so rund, Wie zu Paradieses Lüsten. War sie da? Wo ist sie hin? Ja! sie wars, sie hats gegeben, Hat gegeben sich im Fliehn Und gefesselt all mein Leben.


Johann Wolfgang Goethe



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Mailied

Wie herrlich leuchtet Mir die Natur! Wie glänzet die Sonne ! Wie lacht die Flur ! Es dringen Blüten Aus jedem Zweig Und tausend Stimmen Aus dem Gesträuch, Und Freud und Wonne Aus jeder Brust O Erd, o Sonne ! O Glück, o Lust ! O Lieb, o Liebe! So golden schön, Wie Morgenwolken Auf jenen Höhn ! Du segnest herrlich Das frische Feld, Im Blütendampfe Die volle Welt. O Mädchen, Mädchen, Wie lieb ich dich ! Wie blickt dein Auge ! Wie liebst du mich ! So liebt die Lerche Gesang und Luft, Und Morgenblumen Den Himmelsduft, Wie ich dich liebe Mit warmem Blut, Die du mir Jugend Und Freud und Mut Zu neuen Liedern Und Tänzen gibst. Sei ewig glücklich, Wie du mich liebst !


Johann Wolfgang Goethe



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Die Liebende schreibt

Ein Blick von deinen Augen in die meinen, Ein Kuß von deinem Mund auf meinem Munde, Wer davon hat, wie ich, gewisse Kunde, Mag dem was anders wohl erfreulich scheinen ? Entfernt von dir, entfremdet von den Meinen, Führ ich stets die Gedanken in die Runde, Und immer treffen sie auf jene Stunde, Die einzige; da fang ich an zu weinen. Die Träne trocknet wieder unversehens: Er liebt ja, denk ich, her in diese Stille, Und solltest du nicht in die Ferne reichen ? Vernimm das Lispeln dieses Liebewehens; Mein einzig Glück auf Erden ist dein Wille, Dein freundlicher, zu mir; gib mir ein Zeichen !


Johann Wolfgang Goethe



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An Mignon

Über Tal und Fluß getragen, Ziehet rein der Sonne Wagen. Ach, sie regt in ihrem Lauf, So wie deine, meine Schmerzen, Tief im Herzen, Immer morgens wieder auf. Kaum will mir die Nacht noch frommen, Denn die Träume selber kommen Nun in trauriger Gestalt, Und ich fühle dieser Schmerzen, Still im Herzen Heimlich bildende Gewalt. Schon seit manchen schönen Jahren Seh ich unten Schiffe fahren, Jedes kommt an seinen Ort; Aber ach, die steten Schmerzen, Fest im Herzen, Schwimmen nicht im Strome fort. Schön in Kleidern muß ich kommen, Aus dem Schrank sind sie genommen, Weil es heute Festtag ist; Niemand ahnet, daß von Schmerzen Herz im Herzen Grimmig mir zerrissen ist. Heimlich muß ich immer weinen, Aber freundlich kann ich scheinen Und sogar gesund und rot; Wären tödlich diese Schmerzen Meinem Herzen, Ach, schon lange wär ich tot.


Johann Wolfgang Goethe



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Neue Liebe, neues Leben

Herz, mein Herz, was soll das geben ? Was bedränget dich so sehr ? Welch ein fremdes , neues Leben ! Ich erkenn dich nicht mehr. Weg ist alles was du liebtest, Weg, warum du dich betrübtest, Weg dein Fleiß und deine Ruh - Ach, wie kamst du nur dazu ! Fesselt dich die Jugendblüte, Diese liebliche Gestalt, Dieser Blick voll Treu und Güte Mit unendlicher Gewalt ? Will ich rasch mich ihr entziehen, Mich ermannen, ihr entfliehen, Führet mich im Augenblick, Ach, mein Weg zu ihr zurück. Und an diesem Zauberfädchen, Das sich nicht zerreißen läßt, Hält das liebe lose Mädchen Mich so wider Willen fest; Muß in ihrem Zauberkreise Leben nun auf ihre Weise. Die Veränderung, ach, wie groß ! Liebe! Liebe! Laß mich los !


Johann Wolfgang Goethe



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Nähe des Geliebten

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer Vom Meere strahlt; Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer In Quellen malt. Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege Der Staub sich hebt; In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege Der Wandrer bebt. Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen Die Welle steigt. Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen, Wenn alles schweigt. Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne, Du bist mir nah ! Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne O wärst du da !


Johann Wolfgang Goethe



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Laß dich, Geliebte

Laß dich, Geliebte, nicht reun, daß du mir so schnell dich ergeben ! Glaub es, ich denke nicht frech, denke nicht niedrig von dir. Vielfach wirken die Pfeile des Amor: einige ritzen, Und vom schleichenden Gift kranket auf Jahre das Herz. Aber mächtig befiedert, mit frisch geschliffener Schärfe Dringen die andern ins Mark, zünden behende das Blut. In der heroischen Zeit, da Gätter und Göttinnen liebten, Folgte Begierde dem Blick, folgte Genuß der Begier. Glaubst du, es habe sich lange die Göttin der Liebe besonnen, Als im Idäischen Hain einst ihr Anchises gefiel ? Hätte Luna gesäumt, den schönen Schläfer zu küssen, O, so hätt ihn geschwind, neidend, Aurora geweckt. Hero erblickte Leandern am lauten Fest, und behende Stürzte der Liebende sich heiß in die nächtliche Flut. Rhea Sylvia wandelt, die fürstliche Jungfrau, der Tiber Wasser zu schöpfen, hinab, und sie ergreifet der Gott. So erzeugte die Söhne sich Mars! - die Zwillinge tränket Eine Wölfin, und Rom nennt sich die Fürstin der Welt.


Johann Wolfgang Goethe



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Die schöne Nacht

Nun verlass' ich die Hütte, Meiner Liebsten Aufenthalt, Wandle mit verhülltem Schritte Durch den öden, finstern Wald: Luna bricht durch Busch und Eichen, Zephir meldet ihren Lauf, Und die Birken streun mit Neigen Ihr den süssten Weihrauch auf. Wie ergötz' ich mich im Kühlen Dieser schönen Sommernacht ! O wie still ist hier zu Fülen, Was die Seele glücklich macht ! Lässt sich kaum die Wonne fassen; Und doch wollt' ich, Himmel, dir Tausend solcher Nächte lassen, Gäb' mein Mädchen eine mir.


Johann Wolfgang Goethe



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Erster Verlust

Ach, wer bringt die schönen Tage, Jene Tage der ersten Liebe, Ach, wer bringt nur eine Stunde Jener holden Zeit zurück ! Einsam nähr' ich meine Wunde, Und mit stets erneuter Klage Traur' ich um's verlorne Glück. Ach, wer bringt die schönen Tage, Jene holde Zeit zurück !


Johann Wolfgang Goethe



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Christel

Hab oft einen dumpfen, düstern Sinn, Ein gar so schweres Blut ! Wenn ich bei meiner Christel bin, Ist alles wieder gut. Ich seh sie dort, ich seh sie hier Und weiß nicht auf der Welt, Und wie und wo und wann sie mir, Warum sie mir gefällt. Das schwarze Schelmenaug dadrein, Die schwarze Braue drauf, Seh ich ein einzig Mal hinein, Die Seele geht mir auf. Ist eine, die so lieben Mund, Liebrunde Wänglein hat ? Ach, und es ist noch etwas rund; Da sieht kein Aug sich satt ! Und wenn ich sie denn fassen darf Im luftgen deutschen Tanz, Das geht herum, das geht so scharf, Da fühl ich mich so ganz ! Und wenns ihr taumlig wird und warm, Da wieg ich sie sogleich An meiner Brust, in meinem Arm; 's ist mir ein Königreich ! Und wenn sie liebend nach mir blickt Und alles rund vergißt, Und dann an meine Brust gedrückt Und weidlich eins geküßt, Das läuft mir durch das Rückenmark Bis in die große Zeh ! Ich bin so schwach, ich bin so stark, Mir ist so wohl, so weh ! Da möcht ich mehr und immer mehr, Der Tag wird mir nicht lang; Wenn ich die Nacht auch bei ihr wär, Davor wär mir nicht bang. Ich denk, ich halte sie einmal Und büße meine Lust; Und endigt sich nicht meine Qual, Sterb ich an ihrer Brust !


Johann Wolfgang Goethe



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Blick um Blick

Wenn du dich im Spiegel besiehst, Denke, daß ich diese Augen küßte, Und mich mit mir selbst entzweien müßte, Sobalde du mich fliehst: Denn da ich nur in diesen Augen lebe, Du mir gibst, was ich gebe, So wär ich ganz verloren; Jetzt bin ich immer wie neugeboren.


Johann Wolfgang Goethe



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Rastlose Liebe

Dem Schnee, dem Regen, Dem Wind entgegen, Im Dampf der Klüfte, Durch Nebeldüfte, Immer zu! Immer zu ! Ohne Rast und Ruh ! Lieber durch Leiden Möcht ich mich schlagen, Als so viel Freuden Des Lebens ertragen. Alle das Neigen Von Herzen zu Herzen, Ach, wie so eigen Schaffet das Schmerzen ! Wie soll ich fliehen ? Wälderwärts ziehen ? Alles vergebens ! Krone des Lebens, Glück ohne Ruh, Liebe, bist du !


Johann Wolfgang Goethe



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Der Fischer

Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll, Ein Fischer saß daran, Sah nach dem Angel ruhevoll, Kühl bis ans Herz hinan. Und wie er sitzt, und wie er lauscht, Teilt sich die Flut empor; Aus dem bewegten Wasser rauscht Ein feuchtes Weib hervor. Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm: Was lockst du meine Brut Mit Menschenwitz und Menschenlist Hinauf in Todesglut ? Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist So wohlig auf dem Grund, Du stiegst herunter, wie du bist, Und würdest erst gesund. Labt sich die liebe Sonne nicht, Der Mond sich nicht im Meer ? Kehrt wellenatmend ihr Gesicht Nicht doppelt schöner her ? Lockt dich der tiefe Himmel nicht, Das feuchtverklärte Blau ? Lockt dich dein eigen Angesicht Nicht her in ew'gen Tau ? Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll, Netzt' ihm den nackten Fuß; Sein herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll, Wie bei der Liebsten Gruß. Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm; Da war's um ihn geschehn: Halb zog sie ihn, halb sank er hin, Und ward nicht mehr gesehn.


Johann Wolfgang Goethe



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Selige Sehnsucht

Sag es niemand, nur den Weisen, Weil die Menge gleich verhöhnet: Das Lebendge will ich preisen, Das nach Flammentod sich sehnet. In der Liebesnächte Kühlung, Die dich zeugte, wo du zeugtest, Überfällt dich fremde Fühlung, Wenn die stille Kerze leuchtet. Nicht mehr bleibest du umfangen In der Finsternis Beschattung, Und dich reißet neu Verlangen Auf zu höherer Begattung. Keine Ferne macht dich schwierig, Kommst geflogen und gebannt, Und zuletzt, des Lichts begierig, Bist du Schmetterling verbrannt. Und so lang du das nicht hast, Dieses: Stirb und Werde! Bist du nur ein trüber Gast Auf der dunklen Erde.


Johann Wolfgang Goethe
(1749 - 1832)




J.W. Goethe - An Friederike Brion


J.W. Goethe - An Charlotte von Stein


J.W. Goethe - An Marianne von Willemer


J.W. Goethe - Buch Suleika


J.W. Goethe - An Christiane Vulpius


J.W. Goethe - Marienbader Elegie


J.W. Goethe - Ginkgo biloba


J.W. Goethe - Höheres und Höchstes


J.W. Goethe - Der Erlkönig


J.W. Goethe - An den Mond


J.W. Goethe - Wiederfinden


J.W. Goethe & Lilly Schonemann


J.W. Goethe - Aussöhnung


J.W. Goethe - Wandrers Nachtlied


J.W. Goethe en de liefde (Nederlands)


Liebesgedichte auf Deutsch



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