Johann Wolfgang Goethe

Aussöhnung


                     An Madame Maria Szymanowska*
Die Leidenschaft bringt Leiden! - Wer beschwichtigt Beklommnes Herz, dich, das zu viel verloren ? Wo sind die Stunden, überschnell verflüchtigt ? Vergebens war das Schönste dir erkoren ! Trüb ist der Geist, verworren das Beginnen; Die hehre Welt, wie schwindet sie den Sinnen ! Da schwebt hervor Musik mit Engelsschwingen, Verflicht zu Millionen Tön um Töne, Des Menschen Wesen durch und durch zu dringen, Zu überfüllen ihn mit ew'ger Schöne: Das Auge netzt sich, fühlt im höhern Sehnen Den Götterwert der Töne wie der Tränen. Und so das Herz erleichtert merkt behende, Daß es noch lebt und schlägt und möchte schlagen, Zum reinsten Dank der überreichen Spende Sich selbst erwidernd willig darzutragen. Da fühlte sich - o daß es ewig bliebe ! - Das Doppelglück der Töne wie der Liebe.


Aus 'Die Sammlung von 1827'
Lyrisches Trilogie der Leidenschaft.

Johann Wolfgang Goethe  (°1749, †1832)



*Maria Szymanowska, geb. Marianne Agata Wolowska
(°Warschau 1789; †Sankt Petersburg 1831),
war eine polnische Komponistin und Klaviervirtuosin.
Sie spielte den königlichen Höfen vor, aber
in Marienbad und Weimar begeisterte sie auch Goethe
mit ihrem Klavierspiel. Es wurde sogar von einer
Liebesaffäre zwischen den beiden gemunkelt.





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