Karoline von Günderrode

Gustav Klimt (1862 - 1918) - Der Kuß

Der Kuß im Traume


Ist alles stumm und leer


Die eine Klage


Liebe


Wild verwirrt sind mir die Sinne


Hochroth


Zwei Augen wie Sterne


Wie die Bienen will ich schwärmen


Der Kuß im Traume

 
Es hat ein Kuß mir Leben eingehaucht, 
Gestillet meines Busens tiefstes Schmachten, 
Komm, Dunkelheit! mich traulich zu umnachten, 
Daß neue Wonnen meine Lippe saugt. 

In Träume war solch Leben eingetaucht, 
Drum leb‘ ich, ewig Träume zu betrachten, 
Kann aller andern Freuden Glanz verachten, 
Weil nur die Nacht so süßen Balsam haucht. 

Der Tag ist karg an liebesüßen Wonnen, 
Es schmerzt mich seines Lichtes eitles Prangen 
Und mich verzehren seiner Sonne Gluten. 

Drum birg dich Aug‘ dem Glanze ird’scher Sonnen! 
Hüll dich in Nacht, sie stillet dein Verlangen 
Und heilt den Schmerz, wie Lethes kühle Fluten.




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Ist alles stumm und leer

 
Ist alles stumm und leer; 
Nichts macht mir Freude mehr; 
Düfte, sie düften nicht, 
Lüfte, sie lüften nicht; 
Mein Herz ist so schwer! 

Ist alles öd‘ und hin; 
Bange mein Herz und Sinn; 
Möchte, nicht weiß ich, was; 
Treibt mich ohn‘ Unterlaß, 
Weiß nicht, wohin! 

Ein Bild von Meisterhand 
Hat mir den Sinn gebannt; 
Seit ich das holde sah, 
Ist’s fern und ewig nah, 
Mir anverwandt. 

Ein Klang im Herzen ruht, 
Der noch erquickt den Mut, 
Wie Flötenhauch ein Wort, 
Tönet noch leise fort, 
Stillt Tränenflut. 

Frühlinges Blumen treu 
Kommen zurück aufs neu; 
Nicht so der Liebe Glück, 
Ach, es kommt nicht zurück – 
Schön, doch nicht treu! 

Kann Lieb‘ so unlieb sein, 
Von mir so fern, was mein? 
Kann Lust so schmerzlich sein, 
Untreu so herzlich sein? 
O Wonn‘. o Pein! 

Phönix der Lieblichkeit, 
Dich trägt dein Fittig weit 
Hin zu der Sonne Strahl, 
Ach was ist dir zumal, 
Mein einsam Leid!




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Die eine Klage

 
Wer die tiefste aller Wunden 
Hat in Geist und Sinn empfunden 
Bittrer Trennung Schmerz; 
Wer geliebt was er verloren, 
Lassen muß was er erkoren, 
Das geliebte Herz, 

Der versteht in Lust die Tränen 
Und der Liebe ewig Sehnen 
Eins in Zwei zu sein, 
Eins im Andern sich zu finden, 
Daß der Zweiheit Grenzen schwinden 
Und des Daseins Pein. 

Wer so ganz in herz und Sinnen 
Konnt‘ ein Wesen liebgewinnen 
O! den tröstet’s nicht 
Daß für Freuden, die verloren, 
Neue werden neu geboren: 
Jene sind’s doch nicht. 

Das geliebte, süße Leben, 
Dieses Nehmen und dies Geben, 
Wort und Sinn und Blick, 
Dieses Suchen und dies Finden, 
Dieses Denken und Empfinden 
Gibt kein Gott zurück.




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Liebe

 
O reiche Armut! Gebend, seliges Empfangen! 
In Zagheit Mut! in Freiheit doch gefangen. 
In Stummheit Sprache, 
Schüchtern bei Tage, 
Siegend mit zaghaftem Bangen. 

Lebendiger Tod, im Einen sel’ges Leben 
Schwelgend in Not, im Widerstand ergeben, 
Genießend schmachten, 
Nie satt betrachten 
Leben im Traum und doppelt Leben.




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Wild verwirrt sind mir die Sinne


Wild verwirrt sind mir die Sinne;
Steig herauf, eh ich beginne,
Dich am Schlangenhaar zu greifen,
Wüthend an den Tag zu schleifen.
Weh wenn du mit Antwort geizest,
Schwer mir so die Seele reizest,
Wisse das ich dann dich finde,
Wärst du in der Höllenschlunde.
Peitsche dich mit Flammenruthen,
Bade dich in Hölengluthen;
Dich soll die Sommersgluth verzehren
Und Todesangst dein Leben nähren.
Kein Mitleid soll dir Trost gewähren,
Schmerz, Qual erzeugen und gebähren,
Drum steig herauf ehe gewaltig
Dich ergreifet meines Zornes
Mächtige Rechte! 

Wer ruft so mit mächtiger
Stimme in den Abgrund,
Daß der Hela
Burgen erbeben
Und wiederhallen
Die dunklen Klüfte
Vom gräßlichen Nachhall?




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Hochroth

 
Du innig Roth,
Bis an den Tod
Soll meine Lieb Dir gleichen,
Soll nimmer bleichen,
Bis an den Tod,
Du glühend Roth,
Soll sie Dir gleichen.




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Zwei Augen wie Sterne

 
Zwei Augen wie Sterne
Die sähen so gerne
Das wonnige Licht,
Und dürfen es nicht;
Die hellen Karfunklen
Die könnten verdunklen
Das sonnige Licht,
Und dürfen es nicht.
O Liebesverlangen!
In Kerker gefangen,
Sind die Augen so minniglich,
Die Lippen so wonniglich,
Die Worte die milden,
Die Locken so gülden,
Es bricht mir das Herz
Vor Leidmuth und Schmerz.
Ich sehe bis an den Tod
Die Lippen rosinroth
Und sollt ich nimmer genesen,
Dächt ich doch an ihr minniglich Wesen,
An ihr Blicken so mild,
An das schönste Frauenbild,
Und sollt ich Schmach und Tod erwerben
Das Mägdlein minnt ich und sollt ich sterben.




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Wie die Bienen will ich schwärmen


Wie die Bienen will ich schwärmen
Mich in Traubenglut berauschen
In der Lilie Weiß mich kühlen
Ruhen in der Nacht der Büsche.

In die heitre freie Bläue
In die unbegränzte Weite
Will ich wandeln, will ich wallen
Nichts soll meine Schritte fesslen.

Leichte Bande sind mir Ketten
Und die Heimat wird zum Kerker.
Darum fort und fort ins Weite
Aus dem engen dumpfen Leben.


Karoline von Günderrode
(1780 - 1806)





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