
LIEBELIEBE auch läßt sich den Wellen vergleichen, Sehnsucht wälzt ihre Wogen zum Ziele, flüchtendes Nahen, nahendes Weichen, heiligster Ernst und doch schönstes der Spiele. Dieses Erkämpfen mit Raunen und Rosen schon mit der Venus den Wellen entstiegs, süß vom verstohlenen Augenkosen bis zu dem Kusse, dem Siegel des Siegs. Ich will dirs erzählen: Der Kuß ist ein Lied, ein wortloses Lied; ein Kuß - der geschieht! Es löst das Solo zweier Seelen in vollen Mollakkorden sich: Küsse mich ... Küsse mich - wie das süß - Küsse mich, Kind, auf den Mund ... Ja so ein Kuß verrät das und dies ... Küsse die Lippen mir wund ... Küsse mich lange, minutenlang, küsse die Wangen mir rot. Jetzt bin ich doch schon vor Liebe krank - küß mich zu Tod ... Liebe - leuchtende Liebe spannte weit ihren Flug an des Weltalls Rand, - Jeder durchwandert sein eigener Dante Himmel und Hölle an ihrer Hand. Jeder der weiß wie sie himmlisch oft nahte, hell in den Augen ein süßes Gebot, denkt auch das schreckliche ~Lasciate~, das sie am Tore der Hölle gedroht. - Nicht eine Hölle voll Schwefelgeschwele harrt meines Todes mit Schrecken und Pein - Eine Hölle wärs meiner fiebernden Seele, jemals von dir vergessen zu sein ...
DAS HOHELIEDDes Weibes Leib ist ein Gedicht, Das Gott der Herr geschrieben Ins große Stammbuch der Natur, Als ihn der Geist getrieben. Ja, günstig war die Stunde ihm, Der Gott war hochbegeistert; Er hat den spröden, rebellischen Stoff Ganz künstlerisch bemeistert. Fürwahr, der Leib des Weibes ist Das Hohelied der Lieder; Gar wunderbare Strophen sind Die schlanken, weißen Glieder. O welche göttliche Idee Ist dieser Hals, der blanke, Worauf sich wiegt der kleine Kopf, Der lockige Hauptgedanke! Der Brüstchen Rosenknospen sind Epigrammatisch gefeilet; Unsäglich entzückend ist die Zäsur, Die streng den Busen teilet. Den plastischen Schöpfer offenbart Der Hüften Parallele; Der Zwischensatz mit dem Feigenblatt Ist auch eine schöne Stelle. Das ist kein abstraktes Begriffspoem! Das Lied hat Fleisch und Rippen, Hat Hand und Fuß; es lacht und küßt Mit schöngereimten Lippen. Hier atmet wahre Poesie! Anmut in jeder Wendung! Und auf der Stirne trägt das Lied Den Stempel der Vollendung. Lobsingen will ich dir, o Herr, Und dich im Staub anbeten! Wir sind nur Stümper gegen dich, Den himmlischen Poeten. Versenken will ich mich, o Herr, In deines Liedes Prächten; Ich widme seinem Studium Den Tag mitsamt den Nächten. Ja, Tag und Nacht studier ich dran, Will keine Zeit verlieren; Die Beine werden mir so dünn – Das kommt vom vielen Studieren. |

