

Flirt IDu möchtest lieben, sagst du mir - Ach nur ein einzig Mal Ersehnst du diese Wonne dir Mit ihrer Lust und Qual! Ich soll den Zaubertrank dir leihn, Wähnst du mit leichtem Sinn - Je nun, mein Freund, ich sag nicht nein, Doch - weisst du, wer ich bin? Wenn angefacht mit keckem Mut Ich hab' der Sinne Brand, Dann - wärme ich an ihrer Glut Nur meine kalte Hand. Denn ich soll hart und grausam sein, So hat man mich belehrt; Doch - mich zu lieben, sei allein Schon eines Lebens wert! So sagen sie. - Nun kennst du mich, Ich sagte nicht zu viel. Willst du an mir versuchen dich -? Mich lockt das kühne Spiel. Vielleicht werd' ich dir dankbar sein, Versuche unbeirrt! Es sprühet Funken auch der Stein, Wenn ihn der Stahl berührt. Flirt IIKlag nicht, ich kann dich nicht erhören, Mich schreckt die Glut, die ich entfacht; Ich wollte dich nicht so bethören, Als ich getändelt und gelacht. Wohl hast du von den Männern allen Gar süss mein kaltes Herz berührt, Wohl hat dein Werben mir gefallen Und deine Jugend mich verführt. Auch trafst du mich zu einer Stunde, Da sehnsuchtschwer mein Herz und bang, Wo mir die Lieb' aus deinem Munde Verheissungsvoll entgegenklang. Nun, wo ich meinen Sinn bezwungen Und still und weise worden bin, Mir kaum den Frieden hab' errungen, Nun trittst du fordernd vor mich hin. Lass ab! Mich füllen andere Welten, Nach Höherem steht jetzt mein Sinn - Du magst mich kalt und grausam schelten, Wo ehrlich ich und mutig bin. Flirt IIIDu hast mit kühnen Worten Und Blicken entfacht meinen Sinn, Dass ich bethört und bezwungen In den Arm dir gesunken bin. Wir küssten uns lange, lange - Süss war es und köstlich wohl! Dann schrack ich empor aus den Küssen, Wie war unser Treiben so toll! Doch sank mein Wille - Ermüdet Im grausamen Spiel mit der Lust, Barg ich mich unter Thränen Hingebend an deine Brust. Und lag und weinte und bangte, Hab' nach einem Wort nur gespäht - Du wolltest nur Wünsche und Küsse, Und mich hast du Kalter verschmäht! Flirt IVDu liebst nicht, du willst nur bethören, Du willst mich schwach und bebend sehn - Dann wirst du mir den Rücken kehren Und wie ein Sieger von mir gehn. Doch nimmer wird es dir gelingen - Denn lockst die Sinne du allein Und kannst die Seele nicht bezwingen, So werde ich der Sieger sein. (Goldingen 1866 - Eittenau 1931) ![]() |

