Kinder (Deutsch)    
       
 
Goudi = Geschiedene Eltern Dienstleistung durch Information
   
       
 
Sowohl die Väter als die Mûtter lieben ihre Kinder
   
       
 
   
       
 
   
  Artikel :    
 

- Scheiden tut den Kindern weh
- Kinder brauchen Vater, Mutter und zwei Zuhause
- Immer wieder Papawochenende - neues Kinderbuch
- 20 Bitten von Kindern an ihre geschiedenen oder getrennten Eltern - Dr. Karin Jäckel
- Die Reportage aus dem Belgischen Rundfunk (BRF) über die Fachtagung vom 12.12.2006 in Eupen - Veröffentlicht unter dem Titel "Trennungsschmerz" im BRF am 15.12.2006 durch Margit Hebertz.
- Schnell weg mit dem Vatertag
- Folgen von Vaterentbehrung. Eine Literaturstudie 2003. Rotraut Erhard, Herbert Janig
- Die Kinderjäger sind schneller als die Gerichte
- Liebe Mama, böser Papa - Eltern-Kind-Entfremdung nach Trennung und Scheidung: Das PAS-Syndrom - Buchbesprechung
- Namen auf Holz - oder fliegende Hoffnung - Meditation für Trennungsväter
- Mütter sollen Kinder entführen dürfen ins Ausland oder vom Ausland in die Schweiz !?
- Eltern Kind Vertrag 2003
- Sendung ZDF : Väter ohne Rechte
- Ein Krieg, den alle verlieren
- Scheidungskinder, -väter, -mütter

   
       
 
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Scheiden tut den Kindern weh


von Gerhard Amend

Der Autor ist Soziologe und Professor am Institut für Geschlechter- und Generationenforschung der Universität Bremen.

 

Wenn Eltern sich trennen, begreifen sie nicht oder verdrängen, dass dadurch für ihre Kinder die größte Welt zusammenbricht. Viele erholen sich nie mehr davon.

Das größte Risiko einer Scheidung ist der Abstieg in die Armut. Das trifft Vater, Mutter und Kinder gleichermaßen. Dadurch kommt es für Kinder zum Verlust von Freunden in Vereinen, Nachbarschaften und Schulen. Das isoliert sie nicht nur, noch mehr beschämt es sie. Weil Scheidungen Kinder so hilflos machen, sind gute Ratschläge gerne gesehen. Denn es gibt durchaus bessere und schlechtere Scheidungsverläufe.
Was für Kinder besser und was schlechter ist, hängt davon ab, was die Eltern für das Wesen der Scheidung halten. Allein die Absicht, den Kindern möglichst viel Ungemach zu ersparen, macht noch keine bessere Variante aus. Zumal dann nicht, wenn dazu der vermeintlich schuldige Elternteil aus dem Leben der Kinder vorbeugend ausgeschaltet wird.

Bedrückende Symptome nach der Scheidung

Nur, was das Wesentliche an der Scheidung für Kinder ist, scheint ganz und gar nicht klar zu sein. Viele halten schwierige Besuchsregelungen, Aggressivität, Aufmerksamkeitsstörungen, Bettnässen und Loyalitätszerrissenheit für deren Wesen. Aber das sind lediglich die bedrückenden Symptome, die sich nach der Scheidung bei Kindern einstellen können. Sie verdecken geradezu das Wesen von Scheidungen, das auch Kinder trifft, die gar keine Krankheitssymptome entwickeln.
Dass Scheidungskinder nicht mehr so glücklich wie früher sind, merken zwar die meisten Eltern, aber das Wesentliche scheint sich ihnen dadurch nicht zu erschließen. So können sie selten nur ermessen, dass mit der Auflösung ihrer Paarbeziehung den Kindern die Elterlichkeit verloren geht. Diese ist durch Gemeinsamkeit geprägt, die Vater und Mutter eint. Aber eben nur solange, wie sie als Paar den Kinder gegenübertreten. Fällt die elterliche Gemeinsamkeit weg, dann nimmt das den Kindern die Kontinuität des Alltags, die ihnen Sicherheit bietet.

Die alten Beziehungen lassen sich nicht fortsetzen

Stattdessen macht sich zumeist bodenlose Ungewissheit breit. Denn Vater und Mutter, jeder für sich, zwingen den Kindern eine neue Welt auf. Die alten Beziehungen sind nun einmal zu Ende und lassen sich nicht fortsetzen. Wahrscheinlich ahnt die Mehrheit der Eltern noch nicht einmal, dass ihre Kinder das als aggressiv, wenn nicht als zerstörerisch erleben und dass es ihnen schwerfällt, dazu ihre Gefühle frei heraus zu äußern, zumal niemand sie dazu ermutigt. Nicht nur die Häufigkeit der genannten Symptome bestätigt das, sondern auch die Nachwirkungen von Scheidungen bis ins Leben von Erwachsenen.
Den Kindern gilt als Wesen der Scheidung, dass Vater und Mutter ihre Paarbeziehung beenden. Sie werden Vater und Mutter zukünftig nicht mehr in verbundener Elterlichkeit erleben. Sie werden nicht mehr bruchlos von einem zum anderen wie in der Vergangenheit wechseln können. Engelchen Flieg im Schutz der haltenden Arme beider Eltern als die existenzielle Metapher für den Schutz und die Freiheit, die die elterliche Gemeinsamkeit bietet, das kommt ihnen ebenfalls verloren. So etwas gibt es nicht mehr. Und auch beim Streiten mit dem einen werden sie sich des anderen als zuverlässigen Anker gerade nicht mehr gewiss sein können. Die Eltern bestätigen das ihren Kindern zudem, denn sie geben sich nicht mehr als gemeinsame Eltern. Sie treten nicht mehr gemeinsam auf und wenn sie es tun, sind sie Getrennte und die Kinder merken ihnen an, dass sie nicht mehr gemeinsam Eltern sein wollen. Denn Elterlichkeit konnten beide nur verkörpern, so lange ihre Partnerschaft auch durch gemeinsame Liebe zu ihren Kindern bestimmt war.

Verlust gemeinsamer Elterlichkeit

Was den Kindern allenfalls bleibt, ist Vater und Mutter als Einzelwesen. Das Ende der Elterlichkeit bemerken sie darin, dass Vater und Mutter sie nicht mehr gemeinsam erziehen und auch nicht mehr gemeinsam aufwachsen sehen wollen. Für Kinder stellen solche Verwerfungen einen unwiederbringlichen Verlust dar.
Unter heftigen Gefühlsreaktionen erleben sie das als elterliche Aggressivität, der sie bislang nicht begegnet sind. Wahrscheinlich sehen viele Eltern das nicht so. Denn diese Einsicht ist bedrückend und belastet zusätzlich die Auflösung der Beziehung. Über den Verlust der gemeinsamen Elterlichkeit können Eltern ihre Kinder auch nicht hinwegtrösten. Auch anderen wird das schwerfallen. Am wenigsten können es die Geschiedenen, denn sie haben den herben Verlust ihren Kindern selber zugefügt. Genau das ist es aber, was Eltern die Luft nimmt, über diese schwierige Seite mit ihren Kindern zu reden. Denn selbst der zivilisierteste Verlauf einer Scheidung wird an diesem grundsätzlichen Verlust, der die kindliche Welt verändert, nicht rütteln können. Deshalb ist es für Kinder wenig hilfreich, wenn Vater und Mutter ihnen die hereinbrechende Weltveränderung irgendwie versüßen wollen. Am Schwinden der zerfallenen Elterlichkeit vermag das nichts zu verändern. Sie werden Vater und Mutter in Zukunft nur noch in zerbrochener Gestalt begegnen. Einmal als Erinnerung an die Gemeinsamkeit der Vergangenheit und zum anderen als frei schwebender Vater oder Mutter mit ungewisser Zukunft. Die Übergabe der Kinder an den besuchsberechtigten Elternteil symbolisiert dieses Dilemma besonders schmerzhaft. Nicht selten haben Kinder dabei das Gefühl, dass sie sich zwischen Fronten bewegen – einschließlich der Risiken, die damit verbunden sind. Obwohl einfühlsame Eltern das ahnen, sind ihre Kinder verwirrt darüber, ob sie in ihrer eigenen Gefühlswelt Gegenwart und Vergangenheit überhaupt noch risikolos zusammenbringen können.

Das scheidungsbedingte Leid von Kindern spelit keine öffentliche Rolle

Können sie ihren Eltern Erinnerungen noch zumuten wie – „damals habe ich …“ oder „damals hat Papa und nicht du …“ und „war das nicht so, dass Mama aber nicht du …“ – ohne deren Zorn oder Verstimmung fürchten zu müssen? Denn wenn sie Eltern verärgern oder unbeabsichtigt beschämen, müssen sie dann nicht vermuten, dass sie sich von ihnen so radikal trennen, wie sie es untereinander getan haben?
Eltern fürchten nicht ohne Grund, dass ihre Kinder sich zu so bombigen Sätzen versteigen, die heißen: „Ich finde es blöd, dass ihr euch habt scheiden lassen! Warum habt ihr mich eigentlich in die Welt gesetzt, wenn ihr mich dann doch nicht gemeinsam haben wollt?“ Nicht wenige kennen solche Sätze und erinnern sich mit Schrecken an die Verlautbarungen aus den seelischen Tiefen ihrer Kinder. Viele wissen, dass sie ihre Kinder in Verzweifelung gestürzt haben und dass ihr Leben deshalb mit schwer auflösbarer Gefühlsambivalenz belastet ist. Da verwundert es schon, dass scheidungsbedingtes Leid von Kindern in der Öffentlichkeit keine große Rolle spielt. Zumal kein Tag vergeht, an dem nicht neues über Gewalt und neue Opfer ausgebuddelt wird. Umso verblüffender, dass Scheidungskinder nie darunter sind. Solange nur instrumentelle Gewalt Aufmerksamkeit erregt, solange kann psychische Gewalt leicht aus den Blick geraten. Zwar werden Kinder gerne bedauert, aber ihr Leiden wird vorschnell als misslungene Anpassung an eine neue Lebenssituation verharmlost. Ein Fall für Psychotherapeuten sei das, aber doch nicht für die Gesellschaft.

Scheidungen lassen sich konfliktoffener abwickeln als bislang

Es wäre realitätsblind, im Interesse der Kinder zu folgern, dass ein verschärftes Scheidungsrecht sie schützen könne. Das müssen die Eltern selber tun. Es geht letztlich um eine vertiefte Verantwortung für die freie elterliche Lebensgestaltung. Denn Scheidungen lassen sich konfliktoffener abwickeln als bislang. Wie könnte das aussehen? Eltern und Gesellschaft müssten sich in einem ersten Schritt in die emotionalen Befindlichkeiten von Scheidungskindern hineinversetzen. Das ist leichter gesagt als getan. Es würde bedeuten, den verletzenden, enttäuschenden und letztlich aggressiven Charakter der elterlichen Scheidung anzuerkennen. Wer sich scheiden lässt, wüsste dann, dass er seine Kinder verletzt. Dass er trotzdem an seiner Lebensplanung festhält, die Nachteile für seine Kinder in Kauf nimmt, aber sich kühn deren harschen Gefühlen aufrichtig und ohne Ausflüchte stellte.
Der nächste Schritt ist wahrscheinlich noch schwieriger. Vater wie Mutter müssten sich damit abfinden, dass ihre Kinder auf die grundsätzliche Lebensveränderung weder nachsichtig noch verständnisvoll, auch nicht liebevoll oder versöhnlich und schon gar nicht verzeihend reagieren. Die Kinder sind – abhängig von ihrem Alter – vielmehr voller Ärger, Zorn, Verachtung und hegen sogar offene Vernichtungsphantasien. Es gibt zwei Weisen, mit diesen elternkritischen Gefühlen umzugehen. Gang und Gäbe ist, dass die Kinder ihre negativen Gefühle gegen sich selber richten. Daraus können die genannten Symptome seelischer Beschädigung entstehen.

Konfrontation mit verletzten Gefühlen

Die zweite erst noch zu erreichende Weise ist, dass Kinder den Ärger direkt gegen die Eltern, die Quelle ihres Zorns, richten. Anders gesagt: Die Verursacher für Zorn und Ärger werden mit den Gefühlen der Kinder direkt konfrontiert und sind bereit, sich diesen Gefühlen zu stellen. Auch das ist für Eltern nur schwer erträglich, denn es nimmt einem die Möglichkeit der Tröstung aus der Hand. Aber es das wäre ein Beitrag dazu, die Kinder möglichst wenig zu beeinträchtigen. Die Aussicht, dass Kinder ihre Eltern eines Tages mit ihren verletzten Gefühlen direkt konfrontieren, hat einen unüberschätzbaren Vorteil. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie keine der erwähnten Symptomatiken entwickeln und nicht krank werden würden, stiege wesentlich damit an.
Denn die Fähigkeit, den Verletzenden mit den verletzten Gefühlen zu konfrontieren, ist immer hilfreich. Es würde die Scheidungskultur, in der wir leben, wesentlich verändern. Zumal die Äußerung empörter Gefühle nicht eine Ausnahmesituation für privilegierte Kinder in psychotherapeutischer Behandlung bleiben darf. Die emotionalen Konflikte, die aus der Scheidung entstehen, müssen für alle Kinder in einer Kultur elterlicher Offenheit darstellbar werden. Dazu gehört, dass sie ihre Eltern buchstäblich zur Rede stellen. Und dass diese zu ihrer Entscheidung stehen. Das eröffnet nicht nur den Weg für Verständigung und Wiederannäherung, sondern es hielte die Eltern auch davon ab, die Schuldgefühle, die jeder über die Zumutungen an die Kinder hat, jeweils auf den anderen als den Schuldigen zu verschieben. Der Vorhang der Bühne für langjährige Auseinandersetzung würde sich dann gar nicht erst heben. Neben der grundsätzlichen Weltveränderung durch die Scheidung bliebe den Kindern die Belastung erspart, die ihnen aus der verweigerten Verantwortung für viele weitere Jahre das Leben unerfreulich macht.

Quelle: Die Welt online – Debatte 5-1-2009

 
   
 
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Kinder brauchen Vater, Mutter und zwei Zuhause

von Reinhard Sieder, Gastautor
17.05.2008 - 16.20 Uhr

Das alte Wort Stieffamilie erinnert an das Elend ungeliebter Stiefkinder. Das neue Wort dafür, Patchwork-Familie, klingt viel besser. Und der darin mitschwingende Optimismus ist begründet. Nach der Trennung der Eltern behalten Kinder oft engen Kontakt zu beiden Elternteilen. Lassen sich Mutter und Vater auf neue Ehen oder Partnerschaften ein, gewinnen sie einen elterlichen Freund, eine elterliche Freundin hinzu. Dass das oft zunächst nicht recht gelingen will, liegt an alten Geschichten, die man nicht so leicht loswird.

Die Trennung löst im Kind Wünsche nach Veränderung und zugleich Ängste davor aus.
Der Wunsch nach Veränderung mobilisiert seine Kräfte, Kompetenzen und Energien. Die Angst vor Veränderungen kann dazu führen, dass das Kind bereits eingetretene Veränderungen leugnet. Manche Kinder wirken teilnahmslos, desinteressiert, als ginge sie alles nichts an. Andere reagieren depressiv oder aggressiv. Ihr Zorn trifft nicht unbedingt jenen Elternteil, der die Trennung und damit die Ängste des Kindes ursächlich ausgelöst hat. Das Kind kennt die komplexen Motive der Eltern nicht genau und vermag seine Aggressionen nicht „gerecht“ zu verteilen. Es zögert, Wut und Ärger gegenüber dem Elternteil auszudrücken, den es für den Schuldigen hält.

Die Schwierigkeiten sind geringer, wenn das Kind sicher sein kann, dass es Mutter und Vater behalten wird. Am ehesten ist es das, wenn ihm zwei annähernd gleichwertige Zuhause eingerichtet werden: eines bei der Mutter, eines beim Vater. In jedem Fall sieht sich das Kind vor hohe Anforderungen gestellt. Es muss lernen, die Endgültigkeit der Entscheidung der Eltern zu akzeptieren. Oft gelingt ihm das erst nach einiger Zeit vergeblicher Hoffnung auf Versöhnung und erneutes Zusammenziehen der Eltern. Selber gerade in heftigen Turbulenzen, ist so mancher Elternteil emotional wechselhaft, manchmal auch unzuverlässig bei Abmachungen mit den Kindern. Diesen Mangel zeigen Väter häufiger als Mütter. Hingegen sind Mütter oft nicht bereit, regelmäßigen Kontakt des Kindes zum Vater aktiv zu unterstützen.

Wie können solche Fehler vermieden werden? Am wichtigsten ist, dass der eine Elternteil die Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil aktiv fördert. Nur bei manifester sexueller und körperlicher Gewalt soll man den Kontakt abbrechen. Wo zwei Zuhause für das Kind aus finanziellen oder anderen Gründen unmöglich sind, soll das Kind den von ihm getrennt lebenden Elternteil (meistens ist es der Vater) regelmäßig einige Tage besuchen können – auch über mehrere Werk- und Schultage, sonst bleibt der Mann ein Wochenendvater. Als Eltern bleiben die Getrennten weiter verbunden. Es ist eine Illusion, meistens eine Illusion von Männern, völlig neu anfangen zu können. Um einen typischen Fall zu skizzieren: Ein Mann verlässt seine Frau, weil er sich in eine andere, jüngere Frau verliebt hat. Er betrauert die Trennung nicht, denn er ist euphorisch und sexuell animiert und meint, nun stehe ihm ein neues, besseres Leben offen.

Seine Ex-Frau lässt er unbekümmert zurück. Für sie ist und bleibt der Mann lange Zeit ein Aggressor, dem sie nichts Gutes, kein neues Glück im Paar- und Familienleben und keine gute Beziehung zum Kind wünscht. Sie tut deshalb auch gar nichts dazu, dass er seine Beziehung zum Kind fortführen oder gar verbessern kann, ja sie behindert es sogar gezielt. Der Vater verliert zusehends den Kontakt zu seinem Kind. Ein dunkler Schatten fällt auf sein neues Paar- und Familienleben. Er, der sich doch für den Gewinner gehalten hat, wird von seiner allzu sorglosen Trennung eingeholt. Wir kennen aber auch Männer und Frauen, die sich trennen und dennoch fürsorglich miteinander umgehen. Sie reden miteinander über ihre Ängste, Sorgen und Hoffnungen und trauern über den Verlust, den sie erleiden. Das macht es ihnen viel leichter, als Eltern weiterhin gut zu kooperieren. Ihre Kinder pendeln dann zwischen dem Mutter- und dem Vaterhaushalt hin und her.

Kleine Unannehmlichkeiten bestehen darin, dass immer wieder einmal Schulsachen oder Kleider „ausgerechnet heute“ in der anderen Wohnung sind. Doch bietet das neue Familienleben in zwei Haushalten auch vermehrte Lernmöglichkeiten. Bei einem Teil der getrennten Väter beobachten wir eine Aufwertung der Vaterarbeit: Sie werden autonome und kompetente Väter. Das Modell der „zwei Zuhause“ fördert dies am stärksten.

„Meine Familie, das sind mein Kind (oder meine Kinder) und ich!“ Das sagen Frauen, die sich (noch) nicht wieder gebunden haben. Auch getrennte Männer, die sich als Väter engagieren, reden so ähnlich. Kinder getrennter Eltern mit zwei Zuhause hingegen sagen typischerweise: „Ich habe eine Familie, aber zwei Wohnungen, eine bei meiner Mutter und eine bei meinem Vater!“ Oder: „Ich habe zwei Familien, aber wir sind eine große Familie!“ Eltern und Kinder reden also durchaus verschieden. Die meisten Kinder halten an ihrer Zugehörigkeit zu beiden Eltern fest. Es ist bemerkenswert, wie flexibel Erwachsene und Kinder inzwischen mit dem heiligen Begriff „Familie“ umgehen – flexibler als konservative Familienrhetoriker, die so tun, als könnten wir mit ein wenig gutem Willen zu jener einfachen Klarheit von Vater, Mutter und Kind unter einem Dach zurückkehren, nach der wir uns sehnen.

Reinhard Sieder

Der Autor ist Familiensoziologe an der Universität Wien.
So eben erschien von ihm: „Patchworks – das Familienleben getrennter Eltern und ihrer Kinder“

Bron: Welt online - Welt Debatte

 
   
 
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Immer wieder Papawochenende - neues Kinderbuch

Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Väter! Liebe Engagierte!
 
Ich möchte Ihnen/Euch gerne mein neues Kinderbuch vorstellen:
 
 
IMMER WIEDER PAPAWOCHENENDE!
Jörg Stanko
Illustrationen von Heike Jankowski
Limette-Kinderbücher
ISBN 978-3-00-022515-4
20 Seiten, kartoniert
cellophanisierter Umschlag
12,50 € (D) / 13,50 € (A/CH)


"Heute ist Freitag. Papawochenende!"
"Papa holt mich jedes zweite Wochenende ab.Dann machen wir eine Sause."
So beginnt eine furiose, schöne und anrührende Vater-Sohn-Geschichte, die
die Energie und Gefühlslagen eines "Papawochenendes" wunderbar einfängt.
Zwischen Fußball, Schwimmbad und Sandburgenbau bleibt viel Zeit für
Zärtlichkeit und Emotionen.
Das Papa und Sohn sich gerne haben und (weiterhin) zusammengehören,
bleibt dabei völlig außer Frage.

Das Buch kann somit ein Trost- und Begleitbuch für alle "Papawochenendler"
(sowohl Kinder als auch Erwachsene) sein.

"Immer wieder Papawochenende!" ist wild, schön und ein
bisschen traurig, wie Papawochenenden nun mal so sind...

Der Autor ist selbst "Wochenendpapa".
 
 
Im Buchhandel, bei AMAZON, oder direkt unter http://www.limette-kinderbuecher.de erhältlich.
(Unter dieser Webadresse gibt es auch weiterführende Informationen und Abbildungen einiger Illustrationen).
 
Über eine Verlinkung und/oder Aufnahme in Eure/Ihre Literaturlisten od. Berichterstattung würde ich mich sehr freuen. Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Jörg Stanko
 

 
   
 
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20 Bitten von Kindern
an ihre geschiedenen oder getrennten Eltern

Verfasst von Dr. Karin Jäckel
Und Dieter Mark zugeeignet

http://www.karin-jaeckel.de:80/

Alle Rechte liegen bei der Verfasserin

Wenn die Familie zerbricht, reagieren Kinder meist mit traurigem Schweigen. Deshalb habe ich die wichtigsten Punkte aufgeschrieben, die Kinder in dieser schwierigen Situation ihren Eltern gern ans Herz legen würden.

(s. dazu auch: Karin Jäckel, Mein Kind gehört auch zu mir; Handbuch für Väter nach der Trennung, 1999 ff.)

1. Vergesst nie: Ich bin das Kind von euch beiden. Ich habe jetzt zwar einen Elternteil, bei dem ich hauptsächlich wohne und der die meiste Zeit für mich sorgt. Aber ich brauche den anderen genauso.

2. Fragt mich nicht, wen ich von euch beiden lieber mag. Ich habe euch beide gleich lieb. Macht den anderen also nicht schlecht vor mir. Denn das tut mir weh.

3. Helft mir, zu dem Elternteil, bei dem ich nicht ständig bin, Kontakt zu halten. Wählt für mich seine Telefonnummer oder schreibt mir die Adresse auf einen Briefumschlag. Helft mir zu Weihnachten oder zum Geburtstag ein schönes Geschenk für den anderen zu basteln oder zu kaufen. Macht von den Fotos von mir immer einen Abzug für den anderen mit.

4. Redet miteinander wie erwachsene Menschen. Aber redet. Und benutzt mich nicht als Boten zwischen euch – besonders nicht für Botschaften, die den anderen traurig oder wütend machen.

5. Seid nicht traurig, wenn ich zum anderen gehe. Der, von dem ich weggehe, soll auch nicht denken, dass ich es in den nächsten Tagen schlecht haben werde. Am liebsten würde ich ja immer bei euch beiden sein. Aber ich kann mich nicht in Stücke reißen – nur weil ihr unsere Familie auseinandergerissen habt.

6. Plant nie etwas für die Zeit, die mir mit dem anderen Elternteil gehört. Ein Teil meiner Zeit gehört meiner Mutter und mir und ein Teil meinem Vater und mir. Haltet euch konsequent daran.

7. Seid nicht enttäuscht oder böse wenn ich beim anderen bin und mich nicht melde. Ich habe jetzt 2 Zuhause. Die muss ich gut auseinanderhalten – sonst kenne ich mich in meinem Leben überhaupt nicht mehr aus.

8. Gebt mich nicht wie ein Paket vor der Haustüre des anderen ab. Bittet den anderen für einen kurzen Moment rein und redet darüber, wie ihr mein schwieriges Leben einfacher machen könnt. Wenn ich abgeholt oder gebracht werde, gibt es kurze Momente, in denen ich euch beide habe. Zerstört das nicht dadurch, dass ihr euch anödet oder zankt.

9. Lasst mich vom Kindergarten oder bei Freunden abholen, wenn ihr den Anblick des anderen nicht ertragen könnt.

10. Streitet nicht vor mir. Seit wenigstens so höflich, wie ihr es zu anderen Menschen seid und wie ihr es auch von mir verlangt.

11. Erzählt mir nichts von Dingen, die ich noch nicht verstehen kann. Sprecht darüber mit anderen Erwachsenen, aber nicht mit mir.

12. Lasst mich meine Freunde zu beiden von euch mitbringen. Ich wünsche mir ja, dass sie meine Mutter und meinen Vater kennen und toll finden.

13. Einigt euch fair übers Geld. Ich möchte nicht, dass einer von euch viel Geld hat und der andere ganz wenig. Es soll euch beiden so gut gehen, dass ich es bei euch gleich gemütlich habe.

14. Versucht nicht, mich um die Wette zu verwöhnen. Soviel Schokolade kann ich nämlich gar nicht essen, wie ich euch lieb habe.

15. Sagt mir offen, wenn ihr mal mit dem Geld nicht klar kommt. Für mich ist Zeit ohnehin viel wichtiger als Geld. Von einem lustigen gemeinsamen Spiel habe ich viel mehr als von einem neuen Spielzeug.

16. Macht nicht immer „Action“ mit mir. Es muss nicht immer was Tolles oder Neues sein, wenn ihr etwas mit mir unternehmt. Am schönsten ist es für mich, wenn wir einfach fröhlich sind, spielen und ein bisschen Ruhe haben.

17. Lasst möglich viel in meinem Leben so, wie es vor der Trennung war. Das fängt bei meinem Kinderzimmer an und hört auf bei kleinen Dingen, die ich ganz allein mit meinem Vater oder meiner Mutter gemacht habe.

18. Seid lieb zu den anderen Großelternauch wenn sie bei eurer Trennung mehr zu ihrem eigenen Kind gehalten haben. Ihr würdet doch auch zu mir halten, wenn es mir schlecht ginge! Ich will nicht auch noch meine Großeltern verlieren.

19. Seid fair zu dem neuen Partner, den einer von euch findet oder schon gefunden hat. Mit diesem Menschen muss ich mich auch arrangieren. Das kann ich besser, wenn ihr euch nicht gegenseitig eifersüchtig belauert. Es wäre sowieso besser für mich wenn ihr beide bald jemanden zum Liebhaben findet. Dann seid ihr nicht mehr so böse aufeinander.

20. Seid optimistisch. Eure Ehe habt ihr nicht hingekriegt – aber lasst uns wenigstens die Zeit danach gut hinbekommen. Geht mal alle Bitten an euch durch. Vielleicht redet ihr miteinander darüber. Aber streitet nicht. Benutzt meine Bitten nicht dazu, dem anderen vorzuwerfen, wie schlecht er zu mir war. Wenn ihr das macht, habt ihr nicht kapiert, wie es mir jetzt geht und was ich brauche, um mich wohler zu fühlen.

Dr. Karin Jäckel

Copyright by http://www.karin-jaeckel-autorin.de
Originalstandort http://www.karin-jaeckel.de/werhilft/waskinderwollen2.html


 
   
 
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Die Reportage aus dem Belgischen Rundfunk (BRF) über die Fachtagung vom 12.12.2006 in Eupen - Veröffentlicht unter dem Titel "Trennungsschmerz" im BRF am 15.12.2006 durch
Margit Hebertz.

Sie können die Reportage hier aufrufen zum Hören.

Broschüre "Partner ade, Trennung tut weh - aber Eltern bleiben Eltern"

Information siehe hier .

 
 
   
 
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Schnell weg mit dem Vatertag!

Als der kleine Fritzi während des Bastelunterrichts Anzeichen eines Nervenzusammenbruchs zeigte, holte die Lehrerin die Schulpsychologin (im Fachjargon "School Super Nanny" genannt) herbei. Diese hatte den Sachverhalt rasch erhoben.

"Fritzi leidet am Vatertagsüberlastungssyndrom", erklärte sie der Lehrerin. "Ihr bastelt doch hier nutzlose Dinge für den Vatertag, nicht wahr?"

Die Bastellehrerin beschloss, das Wort "nutzlos" zu überhören und nickte.

"Nun, es ist eine Tatsache, dass etwa die Hälfte der Ehen vor dem Scheidungsrichter endet", sagte die SSN. "90 Prozent der von Scheidungen betroffenen Kinder bleiben bei den Müttern, von denen wiederum etwa drei von vier neue Beziehungen eingehen. Das heißt, dass etwa ein Drittel aller Kinder zwei Väter hat: den leiblichen und den Stiefvater."

"Na und?" sagte die Lehrerin. "Ist das etwa verboten?"

"Nein, nein. Natürlich gehen auch viele Männer neue Beziehungen ein, sodass die Kinder, wenn ihre Väter das Besuchsrecht ausüben, auf diese Weise auch mit Stiefmüttern konfrontiert werden. Bei Fritzi wird das nun kompliziert. Die neue Frau seines Vaters hat aus einer früheren Beziehung ein Kind in die Ehe mitgebracht. Als Fritzi einmal übers Wochenende bei seinem Vater war, hat der Vater dieses Kindes sein eigenes Besuchsrecht ausgeübt, ist dort zum Sonntagnachmittagskaffee erschienen, und Fritzi hat das irgendwie so verstanden, dass der Vater des Kindes, zu dem sein eigener Vater der Stiefvater ist, auf irgendeine Weise wohl auch sein Vater sein muss und dass er somit drei Väter hat." Die School Super Nanny holte tief Luft. "Der neue Lebensabschnittsgefährte von Fritzis Mutter wiederum -"

"Fritzis Stiefvater also," warf die Handarbeitslehrerin ein, um zu beweisen dass sie geistig noch dabei war.

"Genau. Der hat aus einem One-Night-Stand eine Tochter, die nach der Geburt natürlich bei der Mutter blieb."

"Natürlich."

"Und neulich, als Fritzis Stiefvater sein Besuchsrecht ausübte, war das Mädchen übers Wochenende bei Fritzis neuer Familie. Am Sonntagabend hat dann nicht die Mutter das Kind abgeholt, sondern deren neuer Freund. Und als der zu dem Mädel sagte: "Komm zu Papa!", hat Fritzi gedacht, wenn das Mädchen, das zu seinem neuen Papa Papa sagt auch zu einem anderen Mann Papa sagt, müsse dieser Mann wohl irgendwie auch sein Papa sein."

"Kompliziert", gestand die Handarbeitslehrerin. "Ich verstehe aber nicht ..."

"Und heute habt ihr beschlossen, etwas für den Vatertag zu basteln. Gerechte Rache für den Muttertag. Und als Fritzi dann nachgezählt hat, dass er vier Väter hat und vier Vatertagsgeschenke in einer Bastelstunde nicht zu schaffen sind, hat er einen Zusammenbruch erlitten. Schulpsychologisch durchaus verständlich."

Satire

 
   
 
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FOLGEN VON VATERENTBEHRUNG

Eine Literaturstudie 2003

Rotraut Erhard, Herbert Janig

http://www.junge-vaeter.at/lernen/downloads/Vaterentbehrung.pdf

Ergebnisse Literaturstudie

Nach den Ergebnissen der Forschung der letzten Jahrzehnte ist die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung des Kindes unbestritten. Die Rolle des Vaters muss im familiären Kontext gesehen werden und umfasst sowohl ökonomische, als auch soziale und emotionale Aspekte. Kinder können sich vom ersten Lebensjahr an an beide Elternteile binden; Väter können ihre Kinder durch ihre spezifische Form der Interaktion besonders in der Motorik und der Selbständigkeit fördern.

Vaterentbehrung kann für Kinder schädlich sein, sofern wichtige Bedürfnisse der Kinder nicht erfüllt werden. Viele Menschen entwickeln sich trotz Vaterentbehrung im Kindesalter ohne Auffälligkeiten. Das Aufwachsen mit einem stützenden, einfühlsamen, fördernden und Grenzen setzenden Vater wird als Bonus für die weitere Entwicklung betrachtet.

Punktuell können die Ergebnisse wie folgt zusammengefasst werden:

1. Manche Bereiche von Vaterentbehrung sind nicht von der Forschung bearbeitet: Vaterentbehrung durch Haft, Migration und auf Grund von Geheimhaltung.

2. Behinderte Kinder leben häufiger bei Alleinerzieherinnen. Forschungsarbeiten über die Folgen von Vaterentbehrung bei behinderten Kindern liegen kaum vor.

3. Wenig Arbeiten gibt es über Kinder, die den Vater durch Tod verloren haben, die ihn durch Krieg entbehren mussten, und ebenso wenig über Kinder, die bei lesbischen Paaren aufwachsen.

4. Die Entbehrung eines Elternteiles wird sehr häufig mit Vaterentbehrung gleichgesetzt, z.B. in der Scheidungsforschung und bei Ein-Elternfamilien generell.

5. Vaterlose Familien haben ein hohes Risiko, ökonomisch benachteiligt zu sein.

6. Die ökonomische Benachteiligung allein erklärt jedoch nicht die Verhaltensauffälligkeiten von Kindern nach Vaterverlust bei Trennung der Eltern.

7. Die Reaktionen der Kinder auf Verlust des Vaters durch Scheidung, durch Tod oder auf den vermissten Vater sind unterschiedlich und werden durch Geschlecht des Kindes und das Alter zum Zeitpunkt des Vaterverlustes mitbestimmt.

8. In Familien von alleinerziehenden Vätern und Müttern tendieren Buben bereits im Schulalter zu externalisierendem Verhalten, Mädchen haben hingegen erst im Jugendalter die Tendenz zu Auffälligkeiten. Das Risiko für Verhaltensauffälligkeiten ist in diesen Familien größer als in Stieffamilien und in Kernfamilien am geringsten.

9. Stiefväter können zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen und Entwicklungschancen der Kinder beitragen. Besonders Buben scheinen in ihren schulischen Leistungen von einem Stiefvater zu profitieren. Kinder in Stieffamilien wünschen zumeist weiterhin Kontakt zum leiblichen Vater.

10. Im Jugendalter sind Leistungsprobleme und Normenübertretungen bei Scheidungskindern, bei männlichen mehr als bei weiblichen, häufiger als bei Kindern aus Kernfamilien.

11. Erwachsene, die in Scheidungsfamilien aufgewachsen sind, haben ein höheres Risiko für den Abbruch von Lebensgemeinschaften und Ehen und haben weniger intergenerativen Austausch.

12. Vaterentbehrung kann im Erwachsenenalter Beziehungs- und Partnerschaftsprobleme sowie emotionale Störungen zur Folge haben. Generell sind Auswirkungen von Vaterentbehrung im Erwachsenenalter und im Alter kaum erforscht.

13. Die Förderlichkeit der in Österreich gerichtlich geregelte Besuchsrechtsausübung bei Scheidungskindern in einem üblicherweise 14tägigen Rhythmus ist durch die Forschung nicht belegt. Zumindest wöchentliche Kontakte können nach neuesten Forschungen bei Scheidungskindern eine ähnliche Vaterbeziehung etablieren wie in Kernfamilien. Der Verlust des Vaters dürfte nach neuester Forschung für Kinder eine größere Belastung darstellen als der elterliche Nachscheidungs-Konflikt.

14. Auch Kleinkinder können unter Verlust des Vaters leiden, zumal davon ausgegangen werden kann, dass in den letzten Jahren viele Väter vom Typus „neuer Vater“ von Geburt an eine Beziehung zum Kind aufbauen. Manche Arbeiten sprechen für besonders nachhaltige negative Auswirkungen bei frühem Vaterverlust sowohl durch Scheidung als auch durch Tod.

15. Wenn getrennt lebende Väter auf Ausübung einer autoritativen Rolle bei gleichzeitiger Nähe zum Kind zugunsten einer verwöhnenden oder vernachlässigenden Haltung verzichten, kann dies zur Idealisierung und damit zur Reifungsverzögerung des Heranwachsenden beitragen.

16. Kinder von Vätern mit starker Substanzabhängigkeit oder schwerer psychischer Erkrankungen und Gewalttätigkeit tragen ein höheres Risiko für eine psychische Störung im Erwachsenenalter.

17. Das Aufwachsen in lesbischen Paarbeziehungen hat nach vorliegenden Ergebnissen keine negativen Folgen für die Kinder, doch ist die diesbezügliche Forschung als sehr gering zu bezeichnen.

18. Für Kinder nach heterologer Insemination liegen im wesentlichen keine Befunde vor, die für erhöhte Auffälligkeiten sprechen. Eine Aussage über das Jugendalter und das Erwachsenenalter kann noch nicht getroffen werden.

 
   
 
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Wenn der Nachwuchs nach Scheidungen entführt wird

Die Kinderjäger sind schneller als die Gerichte

Es ist leicht in der EU, dem missliebigen Ehepartner die Kinder abspenstig zu machen. Weil nationale Behörden das Problem elterlicher Kindesentführungen nicht in den Griff bekommen, nehmen sich dubiose Firmen der Sache an - und entführen die Kinder einfach zurück.

Von Klaus Bachmann, Brüssel

Seit mehr als sieben Jahren hat Pascal Gallez nichts mehr von seinem Sohn Antoine gehört. 1995, als sich die Eheleute Gallez zerstritten, nahm Pascals Frau den gemeinsamen Sohn mit nach Deutschland und ließ sich dort scheiden. Obwohl das Gericht ihr nur eingeschränkte Erziehungskompetenz bescheinigte, übertrug es ihr das ausschließliche Sorgerecht. In den drei Jahren, die Frau Gallez den kleinen Antoine bei sich hatte, gelang es ihr, ihn so gegen seinen Vater einzunehmen, dass der Richter Pascal Gallez sogar das Besuchsrecht für seinen Sohn entzog. Dass die Mutter den Sohn ohne Zustimmung des Vaters von Brüssel nach Deutschland gebracht hatte, spielte dabei keine Rolle. "Kindesentführung durch Eltern wird in Europa belohnt", sagt Gallez bitter. Zuletzt erfuhr er durch Zufall, dass das Frankfurter Einwohnermeldeamt ohne seine Zustimmung nun auch den Nachnamen seines Sohnes geändert hat. Man habe ihn dazu nicht angehört, weil man nicht gewusst habe, ob er noch lebe. Dabei korrespondiert er seit sieben Jahren mit dem Bundesjustizministerium, um seinen Sohn ausfindig zu machen.

Kindesentführungen durch Eltern sind in Europa keine Seltenheit. Und entgegen landläufiger Meinung sind europäische Nachbarländer darin viel häufiger verwickelt als Länder Nordafrikas oder des Nahen Ostens. Bis Ende September lagen beim belgischen Justizministerium 219 solcher Dossiers. Davon betrafen 60 Prozent Länder der EU.

Laut Childfocus, einer großen belgischen nichtstaatlichen Organisation, die sich mit dem Aufspüren vermisster Kinder beschäftigt, spielen sich sogar mehr als 70 Prozent aller elterlichen Kindesentführungen innerhalb der EU ab. Viele Fälle verraten, wie tief die nationalen Vorurteile in den Mitgliedländern noch sitzen, wenn es um Sorgerechts- und familienrechtliche Urteile geht. In Belgien erregte zum Beispiel der Fall von Philippe Paquay die Öffentlichkeit, dessen Frau, eine Schwedin, 1999 die drei gemeinsamen Töchter nach Schweden gebracht hatte. Das Familiengericht dort erkannte der Frau das Sorge- und Unterbringungsrecht zu, weil Paquay als Lehrer in Belgien nicht genug verdiene, um die Mädchen aufziehen zu können. Es berief sich dabei auf den Artikel 13 b des Haager Abkommens über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführungen. Der Artikel ermächtigt Richter des Landes, in das ein Kind entführt wurde, die Rückkehr des Kindes zu verhindern, wenn dem Kind dadurch "ein schwerwiegender körperlicher oder seelischer Schaden" droht.

Aufgrund dieses Paragrafen und der Möglichkeit, Sorgerechtsfälle von Gerichten des Landes entscheiden zu lassen, in das ein Kind entführt wurde, diente das Haager Abkommen dazu, Entführungen nachträglich zu billigen. Wer die gemeinsamen Kinder dem ausländischen Partner entzog und sie in die eigene Heimat brachte, konnte sich im Normalfall darauf verlassen, dass die Richter seines Heimatlands ihren Vorurteilen erliegen und den ausländischen Partner seines Sorgerechts berauben würden. Das Abkommen sieht zwar auch die Möglichkeit vor, sich über die Justiz im Ausland an eine zentrale Stelle für Kindesentführungen zu wenden, um ein entführtes Kind ausfindig zu machen und zurückzubringen. Doch das dauert meistens so lange, dass das Kind dem zurückgebliebenen Ehepartner bereits entfremdet und damit die Grundlage für eine Rückgabe entfallen ist. Pascal Gallez wartete damals drei Jahre lang, bis er von der deutschen Justiz eine Auskunft darüber erhielt, wo sich sein Sohn befindet.

Hätte damals schon die Verordnung der EU-Justizminister gegolten, die Anfang Oktober in Brüssel verabschiedet worden ist, wären die Streitigkeiten des Ehepaars Gallez völlig anders verlaufen. Künftig wird demnach in der EU bei Ehescheidungen und Sorgerechtsfragen das Gericht des Landes zuständig sein, in dem sich die Eheleute zuvor aufhielten, wenn noch wenigstens ein Partner dort wohnt. Demzufolge hätten die Eheleute Gallez nur in Belgien geschieden werden können. Statt Pascal Gallez auch noch das Besuchsrecht zu nehmen, hätten deutsche Richter dann die Rückführung Antoines nach Belgien veranlassen müssen.

Entscheidungen über das Los von Kindern werden künftig grundsätzlich von den Gerichten des Landes getroffen, in dem sich das Kind vor seiner Entführung aufgehalten hatte. Staaten, deren Gerichte das Haager Abkommen zu sehr strapazieren, drohen Konsequenzen. Nach Inkrafttreten des EU-Verfassungsentwurfs wird die Einhaltung eines EU-Gesetzes von der Europäischen Kommission überwacht werden. Sie kann dann auch vor dem Europäischen Gerichtshof gegen Mitgliedstaaten klagen, deren Justiz weiterhin ihren Vorurteilen gegen ausländische Ehepartner frönt. Für Pascal Gallez kommt das alles zu spät - auf alte Fälle wird das neue EU-Recht nicht anzuwenden sein.

Kein Wunder, dass sich verzweifelte Eltern auf andere Art und Weise helfen. In Arnheim an der deutsch-niederländischen Grenze gibt es seit drei Jahren die "Stiftung Kinderentführung". Hinter dem harmlos klingenden Namen verbirgt sich eine straff geführte, fast paramilitärische Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, von ihren Eltern entführte Kinder wieder zurück in die Niederlande zu holen - notfalls mit Gewalt. Das suggeriert unzweideutig die Webseite der Stiftung, auf der Stiftungschef Jacques Smits, ein ehemaliger Polizist, in kugelsicherer Weste zu sehen ist. Reportern erzählte Smits, bei seinen Rückholaktionen sei es gelegentlich auch notwendig, "Widerstand auszuschalten". Smits soll 2001 für eine Rückholaktion aus Venezuela sogar einen Reisekostenzuschuss von 3500 Gulden von der Gemeinde Assen bekommen haben.

Unternehmer wie Smits nennt der Volksmund in den Niederlanden Kidhunter, Kinderjäger. Bekannt wurde ihr Geschäftsgebaren, als Mitte September ein Den Haager Konkurrent von Smits in Belgien festgenommen wurde, als er bei einer Rückholaktion gewalttätig geworden war. So dubios die Praktiken anmuten - die Kinderjäger arbeiten normalerweise wesentlich schneller und effektiver als die im Haager Abkommen vorgesehenen "zentralen Stellen", die meist Monate brauchen, bis sie überhaupt reagieren.


Aktualisiert: 03.11.2003, 05:14 Uhr

Bron : Aus der Stuttgarter Zeitung vom 03.11.2003

http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/538599


 
   
 
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Väter für Kinder e. V. Buchbesprechung:

Soeben erschienen:

Gabriele ten Hövel

Liebe Mama, böser Papa
Eltern-Kind-Entfremdung nach Trennung und Scheidung: Das PAS-Syndrom


Kösel Verlag, München, 2003, 200 Seiten, Kt | kartoniert (Book - softback) mit Schutzumschlag
ISBN: 3466306280,
EUR 17,95, SFR 31,30.

Es gibt nicht allzu viele Sachbücher die ich in einem durch, also ohne Unterbrechung, gelesen habe. Das kann nur gelingen, wenn das Buch, neben einem moderaten Umfang, in einem guten, packenden Stil geschrieben ist. Über einen solchen Stil verfügt zweifellos Gabriele ten Hövel, die viele Jahre als Fernsehredakteurin und Rundfunkautorin arbeitete und zusammen mit dem Psychotherapeuten Bert Hellinger einen Bestseller ('Anerkennen was ist') verfasste, der in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Im Vorwort erklärt sie, warum sie dieses Buch geschrieben hat: Berührung über eine eher zufällige Begegnung mit einem ausgegrenzten Vater, aber ganz wesentlich auch auf Grund der allerdings völlig anderen persönlichen Erfahrung als geschiedene Mutter von drei Söhnen. Nach ihrer Schilderung ist ihr und ihrem früheren Mann gelungen, was man allen Trennungs-/Scheidungskindern wünschen möchte, nämlich die strikte Trennung der zerbrochenen Paarebene von der bleibenden gemeinsamen Elternrolle. Den Kindern blieben so die Eltern erhalten.

Das Buch handelt von der genau entgegen gesetzten Situation, nämlich der Ausgrenzung und Verteufelung eines Elternteils, nicht selten mit allen Mitteln. Umgang der Kinder mit diesem Elternteil wird ständig vereitelt und den Kindern wird solange ein negatives Bild von ihrem Vater oder ihrer Mutter vermittelt bis sie von selbst den Kontakt mit diesem "bösen" Elternteil ablehnen und damit die Entfremdung "perfekt" ist. Bei den Vorwürfen wird oft vor gar nichts zurückgeschreckt. Nicht nur wird behauptet, dass dieser Elternteil lieblos war und sich ohnehin nie um die Kinder kümmerte, er oder sie sei auch unzuverlässig, unmoralisch, verrückt oder gar gefährlich. Gegenüber Vätern kommt nicht selten als ultimative Waffe im "Familienkrieg" ein Vorwurf des sexuellen Missbrauchs am eigenen Kind zum Einsatz. Dieser Vorwurf erweist sich, schon wegen der damit verursachten Verfahrensverzögerung und Aussetzung des Umgangs, als sehr wirksam, selbst wenn er schließlich als völlig unbegründet ausgeräumt werden kann.

Das Ganze hat etwas sehr Absurdes an sich, wenn man bedenkt, dass der jetzt verteufelte Elternteil oft über viele Jahre der allein auserwählte, über alle sonstigen Bekannten herausgehobene Partner war, mit dem man alles teilen wollte und plötzlich die in diesem Partner gesehenen Qualitäten in ihr Gegenteil verkehrt werden. Die Absurdität dieses Geschehens erfasst man am ehestens an Hand von Fallgeschichten, statt an Hand einer theoretischen Aufzählung von Verhaltensmustern. Nach der Vertrautheit mit wenigen solcher Fallgeschichten merkt man ohnehin, dass sich die grundlegenden Verhaltensmuster auf zunächst erstaunliche Weise gleichen. Genau diesen Zugang ermöglicht die Autorin in hervorragender Weise, indem sie zwischen reinen Fallgeschichten (typisch, aber bei weitem nicht die allerschlimmsten, absurdesten, die wir kennen) und zusammenfassenden theoretischen Abschnitten abwechselt. Dabei haben diese theoretischen Abschnitte überhaupt nichts an überheblich Belehrendem an sich. Sie sind vielmehr in erster Linie eine sehr gelungene Zusammenfassung von Fachaufsätzen oder Büchern anerkannter psychologischer Experten, im Falle des sehr ausgiebig zitierten Buches von Richard A. Warshak, ,,Divorce Poison" sogar als bisher noch einzige deutsche Übersetzung. (Es ist zu hoffen, dass bald das gesamte Buch in Deutsch zur Verfügung steht.)

Ausgiebig zitiert wird auch ein Aufsatz des Psychologen Walter Andritzky, der den Mut hatte ein Thema aufzugreifen das sich einem beim Hören oder der Lektüre von Fallgeschichten eigentlich immer wieder aufdrängt, die Frage nach ,,Verhaltenmuster und Persönlichkeitsstruktur entfremdender Eltern". Auffällig an den erwähnten Verhaltensmustern ist nämlich nicht nur, dass sie ständig in praktisch gleicher Weise auftreten (Wolfgang Klenner, der PAS erstmals in Deutschland in einer nun klassischen Arbeit erwähnte, sprach von "Ritualen der Umgangsvereitelung") und ihre Irrationalität, sondern auch, dass der ausgrenzende/entfremdende Elternteil sehr oft über einen Beruf oder Bildungsstand verfügt mit dem er eigentlich besonders befähigt sein müsste den im Kind angerichteten Schaden zu erkennen, aber anscheinend auf Grund der Persönlichkeitsstruktur sein Verhalten nicht ändern kann. In manchen Fällen mag dies sogar eine Art von Paranoia sein, mit dem festen Glauben das Kind vor dem vermeintlich "bösen Elternteil" (aber früher geliebten Partner) mit aller Macht schützen zu müssen. Die Beurteilung solcher Persönlichkeitsmuster / Persönlichkeitsstörungen muss unbedingt entsprechend ausgebildeten Fachleuten überlassen werden. Auf keinem Fall sollten sich ausgegrenzte Elternteile daran mit Vorwürfen beteiligen, sondern sich vielmehr stets selbstkritisch Fragen stellen, was sie selbst möglicherweise zu der schwierigen Situation beitragen und wie sie diese für die Kinder verbessern könnten. Auch diesem Aspekt wird im Buch von Gabriele ten Hövel viel Beachtung geschenkt.

Ein weiterer Aspekt der sich eigentlich zwangsläufig aus dem Studium von Fallgeschichten und der Persönlichkeitsstruktur entfremdender Eltern ergibt, der aber leider gerade von deutschen Familiengerichten viel zu selten beachtet wird, ist dass darin Einsicht in das Kind schädigende Verhalten nicht vorkommt. Selbst "Therapien" , z. B. wegen angeblichen sexuellen Missbrauchs, werden weiter durchgeführt, nachdem die Vorwürfe längst durch Fachgutachten und Justiz entkräftet sind. Das bedeutet, dass Appelle an diese Einsicht, wie sie gelegentlich erfolgen, völlig wirkungslos sind, wenn nicht gleichzeitig mit der Androhung von Sanktionen, die aber gegebenenfalls auch tatsächlich erfolgen müssten, der Einsicht deutlich genug "nachgeholfen" wird. "Entfremder brauchen Grenzen" ist dementsprechend der Titel eines Buchabschnittes.

Kein Autor, der auch nur einmal das Wort "PAS" erwähnt, kann eine Auseinandersetzung mit der unseligen Kontroverse um diesen von R. A. Gardner geprägten Begriff ganz vermeiden, wobei es eine (noch dazu geschiedene) Autorin und Mutter vielleicht leichter hat und möglicherweise allein schon auf Grund ihres Geschlechts die so oft erhobene Behauptung, PAS sei eine Anschuldigung die sich einseitig gegen Mütter richte, wesentlich entkräften kann. Dennoch wird diese Kontroverse und ihre Entstehungsgeschichte besprochen. Eigentlich müsste es genügen, meinen wir, sich einfach Fallgeschichten, wie in diesem Buch, vor Augen zu führen und zu überlegen wie man damit am besten umgeht. Bezeichnungen, die aber bekannte Verhaltenmuster für Fachleute zusammenfassen können, sind dann sekundär und die umfängliche Diskussion darüber ob PAS nun ein Syndrom ist oder nicht erst recht überflüssig. Das Buch sorgt auch bei der Auswahl von Fallgeschichten für Ausgewogenheit, in dem es auch über Väter als entfremdenden (statt entfremdeten) Elternteil berichtet. Wir betonen auch auf unseren Seiten immer wieder, dass dies in erster Linie eine Frage der "Macht" über das Kind ist. Allein schon wegen der derzeitigen Zahlenverhältnissen beim Wohnelternteil erübrigt sich eine Diskussion etwaiger geschlechtsspezifischer Unterschiede bei den Verhaltensmustern entfremdender Eltern.

Für Umschlagtext und Inhaltsverzeichnis, wie wir sie meist bei unseren Buchbesprechungen anführen, können wir dankenswerter Weise einfach auf die Webseiten des Verlages verweisen, die auch das Vorwort zum Buch enthalten.

Zusammenfassend: Ein empfehlenswertes, sehr gut lesbares Buch. Zu letzterem trägt, selbst in unserem elektronischen Zeitalter, für den Rezensenten jedenfalls, auch die gute Buchgestaltung bei. Der Preis dafür ist zumindest angemessen, wenn nicht bescheiden.

Homepage von Väter für Kinder

 
   
 
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Namen auf Holz - oder fliegende Hoffnung

Meditation bei Ankunft der Trennungsväter nach einem Fußmarsch von Regensburg bis nach Berlin


Trennungsväter sind am Ziel: Allen Kindern beide Eltern
Die Politik macht um sie einen großen Bogen
Väter-Aufbruch,
damit der Kontakt zu unseren Kindern nicht abbricht
Jede Sehnsucht ein Schritt, jeder Schritt ein Weg
Die Sehnsucht reicht von Bayern bis mindestens nach Berlin
Das Suchen der Politiker heute hier ist hoffnungslos.
Unser Sehnen sucht das Morgen,
damit „Hoffnungslosgestern“ endlich Vergangenheit werden kann.

Heute schon träumen von Morgen
Ja morgen hören alle auf das Kind:
Allen Kindern beide Eltern.
Mutti und Vati in jedem Fall
Nicht: Einer zugunsten des anderen.
(Ent) – Scheidet nicht für das Kind.

Mitgebracht die Herzen mit den Namen unserer Kinder –
Väter ohne Kinder; Kinder ohne Väter.
Jeder Name für eine nicht gelebte Beziehung.

Holzumriss, ohne Augen und ohne Körper –
Nichtanwesenheit bis zum Begleiteten Umgang,
vielleicht, eine Stunde kontrollierte Beziehung,
kontrollierter Vater –
Kind nicht zur Beziehung frei gegeben.

Holzumriss, ohne Augen und ohne Körper –
Nichtanwesenheit bis zum Sankt Nimmerleinstag
Besuche, Anrufe und Briefe ohne Chance
keine Chance für das Kind – Krieg der Eltern:
Vater wird bestraft, Mutter belohnt
Fast immer - Gesetze sind hilflos

Holzumriss, ohne Augen und ohne Körper -
Nichtanwesenheit bis zum nächsten Besuch
Entweihung der Beziehung durch enge zeitliche Vorgaben.
Keine Chancengleichheit für beide Eltern

Holzumriss -
gewachsenes Leben über viele Jahre
verwurzelt nach dem Himmel greifend
jeder Holzumriss ein Traum

Kindernamen auf Holzumrisse
Anklage an ein väterfeindliches Rechtssystem,
in dem sich gelegentlich auch Mütter verfangen können.
Einer hat das Sagen, der andere muss mitspielen.
Macht für die Mütter wird in vollen Zügen ausgegossen -
die Näpfe der Väter stinken von Ohnmacht.

Kindernamen auf Holzumrisse
Anklagen an eine väterfeindliche Politik.
Bindung des Kindes zur Mutter -
überbewertet durch Schwangerschaft.
Das Kind zur Mutter, der Vater ist nur möglich.

Kindernamen auf Holzumrisse
Anklage an eine väterfeindliche Gesellschaft
Zeugen heißt nicht:
Verantwortung und Liebe zum Kind wird mit dem Sperma weggegeben.
Gebären heißt nicht:
Das Kind im Bauch wird zum Eigentum.

Kindernamen auf Holzumrisse
Zerrissene Kinderherzen,
Liebe zu beiden Elternteilen rutscht den Berg runter.

Im Namen unserer Kinder
Politiker - gebt der Steropurfigur ein Gesicht
Politiker - gebt der Steropurfigur ein Herz
Politiker - Macht euch auf die Strümpfe
schützt das Recht des Kindes auf beide Eltern
gerade gegen den Willen der Mutter
wenn es sein muss.

Für unsere Kinder:
wir lieben euch genauso wie eure Mütter.
Reicht uns eure Hände und macht euch fest, wir halten euch.
Es ist nicht mehr die Zeit, sich einfach aus den unwürdigen Zuständen wegzustehlen, wir tragen eure Hoffnung in die Öffentlichkeit:
Luftballons tragen unsere Liebe und unsere Verantwortung in die Welt
Flieg Hoffnung – flieg in die neue Wirklichkeit
Mutter und Vater stehen für Euch ein
Allen Kindern beide Eltern – nicht mehr und nicht weniger.

Berlin am 08.09.2002
Pfarrer Dietmat Nikolai Webel

 
   
 
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Mütter sollen Kinder entführen dürfen ins Ausland oder vom Ausland in die Schweiz !

Betreff: Vorstoss von R. Vermot / V. Hubmann im CH-National- bzw. Europarat Brüssel
Datum: Mon, 12 May 2003 19:04:36 +0200 (MET DST)
Von: Christian Gut <gut@inf.ethz.ch>


PRESSEMITTEILUNG (bitte verbreiten) Zürich, 12.05.2003

Zur Zeit engagieren sich verschiedene Mitglieder des Schweizer Nationalrats (grosse Kammer)
(Baumann/SVP/TG, Vermot/SP/BE und Hubmann/SP/ZH) dafür, dass Mütter ihre Kinder auch weiterhin unbehelligt und ungestraft ins Ausland oder vom Ausland in die Schweiz entführen dürfen. Doch nicht genug des Trauerspiels: Auch auf europäischer Ebene profiliert sich unser Land - über einen Vorstoss von Frau Vermot im Europarat - leider als Staat, der internationale Kindesentführungen durch die Mutter schützen möchte.

Um was geht es? In der Theorie muss nach dem Haager Abkommen das durch einen Elternteil entführte Kind in das Land des gewöhnlichen Aufenthalts zurückgeführt werden. In der Praxis wird aber höchstens jedes sechste Kind zurückgeführt, und dabei handelt es sich im wesentlichen um
Entführungen durch den Vater. In den übrigen Fällen wird der berüchtigte Ausnahme-Artikel 13 des Abkommens angerufen, oder es wird prozessiert, bis die einjährige Frist verstrichen ist, oder der Entführungsstaat hält sich einfach nicht an das Abkommen.

Mit dem aktuellen Vorstoss möchte Frau Vermot das Haager Abkommen durch ein Zusatzprotokoll weiter verwässern und die geschlechtsneutrale Formulierung des Textes de facto aufheben. Die durch ein Verbrechen der Mutter geschaffenen vollendeten Tatsachen sollen im Nachhinein legalisiert werden, und das Faustrecht der Mutter soll damit gestärkt werden.

Natürlich wird die mit dem Vorstoss beabsichtigte Privilegierung der Mutter nicht offen zugegeben, sondern sie wird mit möglichen Anschuldigungen (Gewalt, Missbrauch) getarnt, welche nur gegen Väter aber nie gegen Mütter erhoben werden. Der Vorwand ist schon deswegen scheinheilig, weil die Behörden im Herkunftsland genauso wie die Behörden im Entführungsland in der Lage sind, solche Anschuldigungen kompetent zu untersuchen und nötigenfalls entsprechende Massnahmen zu
ergreifen.

Schon früher wurden Versuche unternommen, das Haager Abkommen so zu ändern, dass Entführungen durch die Mutter erlaubt sind. So versuchte die mütterfreundliche britische Organisation "Reunite" an der vierjährlichen Konferenz über das Haager Abkommen im März 2001 in Den Haag, die Rückführung eines durch die Mutter entführten Kindes auszuschliessen. Der entsprechende Antrag konnte damals verhindert werden, und heute ist er "Reunite" peinlich.

Auch EU-intern wird über internationale Kindesentführungen legiferiert, was auch für die Schweiz von Bedeutung sein dürfte: So trat am 01.03.2001 die Brüssel-II-Verordnung in Kraft, nach der nur das Gericht im Land des letzten gemeinsamen Wohnorts für eine Scheidung zuständig ist. Dadurch soll der Anreiz entfallen, ein Kind zu entführen, um den Scheidungsort in ein anderes Land zu verlegen. Und am 29.11.2002 konnten die Entführungsgegner (Frankreich, Benelux- und südeuropäische Länder) gegen den erbitterten Widerstand der Entführungsbefürworter (vor allem Deutschland) durchsetzen, dass auch für Sorgerechtsverfahren nur das Gericht im Land des letzten gemeinsamen Wohnorts zuständig ist, womit der Anreiz für eine Kindesentführung völlig entfällt. (Bei der Regelung, die am 01.07.2004 in Kraft tritt, wurde allerdings leider als Zugeständnis an die Entführungsbefürworter ein kleines Schlupfloch offen gelassen.) - Vor diesem Hintergrund wird klar, dass der Vorstoss von
Frau Vermot der aktuellen Entwicklung in der EU entgegenläuft.

Zynisch mutet es an, wenn ausgerechnet die Entführungsbefürworter sich auf das Kindeswohl berufen, denn die Folgen einer erfolgreichen elterlichen Kindesentführung ins Ausland sind sowohl für das Kind als auch für den zurückgelassenen Elternteil katastrophal: Während der ausgegrenzte Elternteil nach normalen Trennungen in familienfreundlichen Ländern immerhin mindestens zwei Wochenenden pro Monat mit seinem Kind verbringen kann (und in der Deutschschweiz immerhin mindestens ein Wochenende pro Monat, was allerdings nicht durchgesetzt wird), kann nach
einer erfolgreichen Kindesentführung ins Ausland der zurückgelassene Elternteil sein Kind in der Regel überhaupt nicht mehr sehen. Dadurch wird das Kind nicht nur eines Elternteils beraubt, sondern auch des dazugehörigen sprachlichen und kulturellen Erbes, und auch nach seiner Volljährigkeit wird es die Beziehung zum ausgegrenzten Elternteil nur schwer wieder herstellen können.

Die Propaganda der Entführungsbefürworter behauptet gern, man könne halt nichts machen und es gäbe halt keine befriedigende Lösung. Dies trifft nicht zu. Die Lösung lautet: Gemeinsames Sorgerecht im Land des letzten gemeinsamen Wohnorts! Damit ist dem Wohl des Kindes und dem Wohl beider
Elternteile am besten gedient. Das Bedürfnis des Kindes nach beiden Eltern ist nämlich viel wichtiger als der Wunsch eines Elternteils nach Übersiedlung in ein anderes Land.

Meiner Meinung nach ist die Berichterstattung in den deutschschweizer Medien zum Vorstoss von Frau Vermot bisher einseitig zugunsten der Entführungsbefürworter ausgefallen. Immerhin kontrastierte die
Feststellung, dass zwei Drittel der Entführungen durch die Mutter erfolgen (Sonntagszeitung 10.05.03), in wohltuender Weise mit der üblichen väterfeindlichen Desinformation, welche von den
deutschschweizer Medien und von mütterfreundlichen Fachstellen wie z.B. dem Internationalen Sozialdienst (NZZ-Artikel "Gegen Kindesentführungen" vom 27.06.2001, stiftungsinterne Broschüre 2001) verbreitet wird und behauptet, Entführungen erfolgten fast immer durch den Vater.

Christian Gut
Postfach 751
8044 Zürich

(Trauriger Vater von Christoph Gut, heute 15, im März 1989 aus der Schweiz nach Deutschland entführt, zuletzt gesehen 1990)

Aargauer Zeitung 26.04.2003
Das Kindswohl «vermehrt in den Mittelpunkt stellen»
http://www.aargauerzeitung.ch/pages/index.cfm?dom=3&id=100145785&rub=1037&arub=1037&nrub=0

Sonntagszeitung 10.05.2003
Sohn der Radsportlerin Hunkeler muss zurück zum Vater Politiker fordern stärkeren Kinderschutz
http://www.sonntagszeitung.ch/sz/szUnterRubrik.html?ausgabeid=3039&rubrikid=127&ArtId=276141

Lesen Sie die Leidensgeschichte eines Vaters, dessen Kinder von der Mutter erfolgreich in die Schweiz entführt wurden:
http://www.geocities.com/stephen_knuttel
http://www.geocities.com/stephen_knuttel/pressdemo.htm
http://more.abcnews.go.com/onair/dailynews/wkn_raddatz_000129.html
http://more.abcnews.go.com/sections/us/DailyNews/elian000210.html

Geht an:
- Frau Nationalrätin Ruth-Gaby Vermot-Mangold
- Frau Nationalrätin Vreni Hubmann
- Herrn Nationalrat Alexander J. Baumann

Kopie an:
- Ausgewählte Medien
- Mitglieder der Sozial- und Gesundheitskommission des Nationalrats
- Andere ausgewählte Politikerinnen und Politiker
- Zentralstelle zur Behandlung von Kindesentführungen, Herrn David Urwyler
- Schweizerischer Kinderschutzbund, Herrn Franz Ziegler
- Marie-Meierhofer-Institut für das Kind
- Internationale Sozialdienst
- Betroffene Eltern und sonstige Interessierte

René Keller, Präsident veV Region Aargau , Schweiz, Suisse, Switzerland, 13.5.2003
http://www.vev.ch
renekeller@skynet.ch


 

 
   
 
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Eltern-Kind-Vertrag

Name

Vorname

geboren am ________________________Geburtsort ___________________________________

Wohnort___________________________________ Heimatort ____________________________

Hiermit erklären sich meine Mutter

und mein Vater

am Tag meiner Geburt mit folgenden Regelungen einverstanden:


a) Beide Partner haben mich gewünscht. Daher sind auch beide bereit, sich einvernehmlich um mein Wohl zu kümmern.

b) Solange meine Mutter und mein Vater im gleichen Haushalt wohnen, sorgen sie gemeinsam für mich, bis ich mündig bin.

c) Bei einer Trennung oder Scheidung beantragen meine Mutter und mein Vater das gemeinsame Sorgerecht. Sie gewährleisten, dass ich jederzeit ungehindert Zugang zum Einen wie zum Anderen habe.

d) Mein Vater und meine Mutter verpflichten sich, die Betreuungs- oder Besuchszeiten so zu regeln, dass mir keiner von beiden fremd wird.

e) Ebenso verpflichten Sie sich, meinen Unterhalt so zu regeln, dass keiner benachteiligt ist oder meine Betreuung vernachlässigen muss, um Geld zu verdienen.

f) Falls sich meine Eltern trennen oder scheiden lassen, sind sie verpflichtet, den anderen Elternteil, den ich immer noch liebe, nie zu entwerten oder sonstiges auszusprechen.

g) Mir zuliebe werden Mutter und Vater weiterhin einen elterlichen Kontakt pflegen, damit ich nicht als Briefträger, Informant oder gar als Erpressungspfand eingesetzt werde.

h) Auch wünsche ich, dass bei einer Trennung oder Scheidung mein Vater und meine Mutter nicht zu weit auseinander wohnen, da ich sie sonst nicht regelmässig besuchen kann.

i) Diese Regelungen sind von meinen Eltern unterschrieben worden. Sie werden bei meiner Patin (__________________________), meinem Paten (__________________________) sowie der Familienberatungsstelle und / oder JPD _____________________ in ___________________ hinterlegt. Bei Unstimmigkeiten sind meine Eltern verpflichtet, sich an diese Stellen oder Personen zu wenden. Falls es mir zumutbar ist, will ich frühzeitig informiert und eingebunden sein.


Unterschrift meiner Mutter


Unterschrift meines Vaters


Ort, Datum:


Grundlage: Peter Angst, Familienberater und Mediator (Schweiz)

 

 
   
 
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Nach Anlass der Demonstration der Väter und Mütter in Berlin - Samstag den 8. Juni 2002 in Berlin

Transkription des ZDF-Programms

Sendung vom 11. Juni 2002
Väter ohne Rechte

Zwei Millionen Väter werden nach der Trennung von ihren Partnerinnen daran gehindert, ihre Kinder zu sehen, so eine Schätzung des Vereins "Väteraufbruch für Kinder". Deutsche Gerichte, so der Vorwurf, würden häufig zu Gunsten von Müttern entscheiden, die durch die Wegnahme der Kinder die Männer vor vollendete Tatsachen stellen. Mittlerweile hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mehreren Vätern Recht gegeben, die vor deutschen Gerichten in ihrem Kampf um das Umgangsrecht in allen Instanzen gescheitert waren - bis hin zum Bundesverfassungsgericht. Ulrich Stoll über deutsche Gerichtspraxis und Väter ohne Rechte - bearbeitet für ZDFonline.

Zur Diskussion im Beitragsecho


Thomas Hageböke aus Hamburg hat keinen Grund mehr, auf Spielplätze zu gehen. Zwar hat er zwei Kinder, fünf und zwei Jahre alt - doch die können nicht mit ihm spielen.

Jegliches Recht als Vater verloren

Thomas Hageböke

Der 38jährige Familienvater hat keinen Kontakt zu den Kindern, seit seine Frau ihn vor zwei Jahren verließ. Thomas Hageböke, Vater: "Als ich nachmittags nach Hause kam, war niemand mehr da. Ich war von meiner Frau verlassen worden, sie hat die Kinder mitgenommen, und die habe ich seitdem nicht mehr gesehen." Geblieben sind ihm nur ein paar Kinderfotos im Computer. Seine Ex-Frau lässt ihm gerichtlich verbieten, ihre Identität und die der Kinder preiszugeben. Und sie erreicht vor Gericht, dass er seine Rechte als Vater aufgeben muss.Thomas Hageböke: "Mir ist vom Familiengericht das Sorgerecht entzogen worden auf Antrag der Frau. Die Kindesmutter wollte gerne das alleinige Sorgerecht haben und führte als Begründung dafür an, dass keine Kommunikation zwischen den Eltern da ist. Es wurde vom Jugendamt bestätigt, es gibt keine Kommunikation, das geht ganz eindeutig von der Kindsmutter aus, sie verweigert und sie blockt, das wurde dem Gericht vom Jugendamt auch so mitgeteilt, und der Richter sagte dazu nur ganz lapidar: keine Kommunikation zwischen den Eltern, alleiniges Sorgerecht bei der Mutter. Punkt aus."


Urteile zum Nachteil der Männer

Ursula Kodjoe

Alleiniges Sorgerecht dank sogenanntem Umgangsboykott. Thomas Hageböke kämpft weiter vor Gericht, um seine Kinder sehen zu dürfen. Ein jahrelanger Rechtsstreit, bis schließlich auch das Landgericht ihn abweist. Das Gericht stellt fest: "Die Beibehaltung des gemeinsamen Sorgerechts (...) entspricht dem Kindeswohl nicht, wenn die Parteien wie im vorliegenden Fall untereinander stark zerstritten sind."Solche Urteile zum Nachteil der Männer sind gängige Gerichtspraxis in Deutschland. Das erlebt die Psychologin Ursula Kodjoe als Gutachterin vor Gericht ständig. Ursula Kodjoe, Psychologin : "Sie haben dieses traditionelle konservative Rollenbild der Mutter, die sich um die Kinder kümmert. Das schlägt sich nieder in der Überzeugung vieler Sozialarbeiter oder auch von Richtern: Kinder gehören zur Mutter, und der Vater soll die Kohle ranschaffen. Dieses Rollenbild ist aber längst überholt. Wir leben in einer Zeit, in der die Eltern partnerschaftlich sich vor allen um die Kinder kümmern sollten."


Zwei Millionen verlassene Väter

Dietmar Nikolai-Webel

Zwei Millionen verlassene Väter und einige wenige Mütter, schätzt Thomas Hageböke, dürfen ihre Kinder kaum oder gar nicht sehen. Mit seinem Verein "Väteraufbruch für Kinder" demonstriert Hageböke in Berlin dagegen, dass Familienrichter und Gutachter sich oft auf die Seite von Müttern stellen, die ihren Ex-Partnern den Kontakt zu den Kindern verweigern.Dietmar Nikolai-Webel, Vater: "Die Gutachter haben die Aufgabe, zu schauen, ob die Trennung zwischen Paar- und Eltern-Ebene gegeben oder möglich ist. Und wenn das nicht so ist, dann ist nach Familienrecht die Mutter die, die begünstigt wird. Das heißt in jedem Fall, dass die Mutter bei Streit immer die Gewinnerin ist."

Jahrelang die Kinder nicht gesehen

Michael Hickman

Der Südafrikaner Michael Hickman wurde von seiner deutschen Frau verlassen. Mit den Kindern zog sie nach Deutschland. Er folgte ihr, kämpft jetzt vor deutschen Gerichten um Kontakt zu den Söhnen. Michael Hickman: "Vor sechs Jahren sind meine Kinder aus Südafrika entführt worden, und seitdem darf ich meine Kinder nicht sehen."
Frontal21: "Haben Sie sich dann an Gerichte gewandt oder was haben Sie erlebt?"
Michael Hickman: "Ja, mehrmals. Ich habe nur Ungerechtigkeit erlebt. Meine Ex-Frau sagt, mein Mann sieht die Kinder nicht, und der Richter sagt, er kann gar nichts dagegen tun."

 
   
 
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  DER SPIEGEL : SCHEIDUNGSKAMPF - BEUTE KIND
Nummer 9 vom 25-2-02 - S. 124-135

Einführung

Kinder tragen schwer daran, wenn die Ehe oder Beziehung ihrer Eltern scheitert. Jedes Jahr erleiden das rund 150.000 Heranwachsende. Der Schicksalsschlag weitet sich zum Drama aus, wenn zudem ein Elternteil aus Hass oder Rache plötzlich aus dem Leben des Kindes verbannt wird, was in der Regel den Vater trifft. "Anders als früher wollen viele Väter heute die Beziehung zu ihren Kindern halten und zerbrechen fast daran, keinen Umgang mehr mit ihnen haben zu dürfen", sagt SPIEGEL-Redakteurin Karen Andresen, 56, die gemeinsam mit Redakteurin Angela Gatterburg, 44, die Titelgeschichte über die Scheidungskinder schrieb. Während ihrer Recherchen trafen sie Väter, denen oft seit Jahren der Kontakt zum eigenen Nachwuchs untersagt ist, die Hunderte Kilometer fahren, um dann trotz anders lautender Absprache vor verschlossener Tür zu stehen, und die immer wieder schockiert sind, wenn Brief an Sohn oder Tochter ungeöffnet zurückkommen. "Die Mütter mauern, die Väter verzweifeln, und die Kinder leiden", so Gatterburg, "es ist ein Krieg, den alle verlieren".

Ein Krieg, den alle verlieren

Im Scheidungsdrama werden Kinder zu Opfern: Aus Rache und Hass verwehren vor allem Mütter ihren Ex-Partnern jeden Kontakt mit ihnen. In neuen Studien belegen Psychologen die fatalen Folgen des "Entfremdunssyndroms". Juristen wollen jetzt die Rechte der Väter stärken.

Ihren Vater hat Anna (Namen der Kinder von der Redaktion geändert), 2, zuletzt vor vier Monaten auf einem Parkplatz gesehen. Doch das kleine Mädchen hat vermutlich nicht einmal verstanden, dass der Unbekannte, der da freundlich in das Auto blinzelte, in dem es mit seinem drei Jahre älteren Halbbruder Conrad saB, sein Papa war.

Denn ehe Thomas H., 37, auch nur die Tür des Wagens öffnen und die Kinder begrüBen konnte, war seine geschiedene Frau schon weggefahren. Statt Küsse mit den Kleinen tauscht der verzweifelte Vater nun wieder juristische Schriftsätze mit seiner Ex-Frau aus.

Begonnen hatte der Ehekrieg im Juni vor zwei Jahren. Morgens war der Diplominformatiker, so erzählt er, noch ahnungslos zur Arbeit gefahren, abends fand er Frau un Kinder nicht mehr in der gemeinsamen Wohnung vor. Was Thomas H. bis heute besonders erbost: Nur wenige Tage zuvor war seine Adoption des kleinen Sohnes Conrad aus der ersten Ehe seiner Frau rechtskräftig geworden.

AuBer bei dem gescheiterten Treffen auf dem Parkplatz hat er Sohn und Tochter bis heute nie wieder gesehen. Briefe werden nicht beantwortet, für Geschenke gibt es klein Danke, und inzwischen kennt er nicht einmal mehr die Telefonnummer, unter der er Anna und Conrad erreichen könnte.

"Sie will nicht, dass ich die Kinder sehe, und deshalb habe ich keine Chance", sagt der Vater verbittert. Als Begründung gibt seine Ex-Frau an, ihr Mann habe sie geschlagen.

Die Frau, das arme geprügelte Opfer ? Der kaltschnäuzige Kinderklau eine Befreiungstat, weil dem Vater nicht zu trauen ist ? Solche Schauergeschichten, die auch den Fall des angeblich prügelnden Diplominformatikers in grelle Farben tauchen, gehören zum Arsenal eines abertausendfach geführten Kampfes, in dem alle verlieren - vor allem die Kinder.

Auf der Suche nach einem Ausweg besuchte Thomas H. seinen Vorgänger, den Vater des kleinen Conrad. Er stellte fest: Auch diesen Mann hatte die Frau eines Tages plötzlich verlassen, auch er hatte jahrelang Unterhalt bezahlt, ohne seinen Sohn je wieder zu sehen. Und auch ihm war vorgeworfen worden, er sei ein Schläger.

Die auffallenden Parallelen in beiden Fällen interessieren bis heute niemanden, weder das Jugendamt noch den zuständigen Richter. So zahlt Thomas H. für zwei Kinder, die er nicht sieht, 550 Euro monatlich Unterhalt; seine Ex-Partnerin, die sich ausschlieBlich vor Gericht auseinander setzen möchte, hat Anspruch auf 430 Euro.

Lange fanden sich die Väter mehr oder weniger klaglos damit ab, nach dem Ende der Ehe auch aus dem Leben ihrer Kinder zu verschwinden. Vielen erschien die Rolle des passiven Zahlvaters sogar als bequem, konnten sie doch so alle Energie neuen Lebensabenteuern widmen.

Seit sich jedoch immer mehr Männer mit der traditionellen Arbeitsteilung nicht länger zufrieden geben, hat sich das Selbstverständnis dramatisch gewandelt: Die neuen Väter verlangen vehement, auch nach einer Trennung so viel wie möglich mit ihren Kindern zusammen zu sein.

Sie bestürmen Justizminister, demonstrieren und prozessieren. Ihre Klagen finden zunehmend bei Juristen und Psychologen Gehör. Auf zahlreichen Tagungen, etwa jüngst wieder auf dem Deutschen Familiengerichtstag, suchen Fachleute nach neuen Lösungen, wie das Recht der Kinder auch auf ihre Väter besser gesichert werden könnte.

Denn Scheidungen gehören mehr denn je zum bundesdeutschen Alltag. Mittlerweile wird jede dritte Ehe aufgelöst. Doch von diesen nüchternen Zahlen geht keinerlei abschreckende Wirkung aus. Hoffnungsvoll stürzen sich Menschen jeden Alters in das Abenteuer Ehe, unerschütterlich scheint er zu sein, der Wunschtraum von der einzigen Liebe, die der öffentlich besiegelte Bund heiligen soll. Die Sehnsucht nach einer problemlosen, individuellen Partnerschaft ist im 21. Jahrhundert ungebrochen; ebenso die Gewissheit, dass einem die glückliche Ausnahme gelingt.

Und wenn sich der Treueschwur nicht halten lässt, wenn einen kleine und groBe Fluchten plötzlich hinaustreiben aus zu eng empfundenen Verhältnissen ? Kein Problem. Ein Leben, viele Ehen, was soll daran verkehrt sein ? Volbilder sind den einen internationale Stars, andere blicken eher auf Gerhard Schröder oder Joscka Fischer, die beide schon viermal endgültig Ja sagten.

Der Neubeginn mit einem anderen Partner bedarf einer gewissen Unbekümmertheit und des Vertrauens, dass es diesmal klappt. Das allerdings setzt eine konstruktive Trennung voraus, und die schaffen bei weitem nicht alle. "Viele plumpsen da so rein", sagt die Psychologin Brigitte Grosser aus Norderstedt bei Hamburg.

Jeder Scheidung, so simpel wie wahr, geht ein Prozess voraus. Den meisten fällt schon die Phase der "Entidealisierung" schwer, die Zeit der zwangsläufigen Entzauberung, die jede Beziehung irgendwann ereilt. Ein Paar muss aushalten, dass es sich wechselseitig enttäuscht in all den grandios übersteigerten Erwartungen, die zu Beginn jeder Liebe aufscheinen. Auch Entwicklungen können das Zweisamkeitsgefüge gefährden: Wenn einer Neues beginnen will, der andere aber lieber weitermachen möchte wie bisher, kann es zu schweren Auseinandersetzungen kommen.

"Die Durchschnittstoleranz entscheidet auber das Schicksal einer Ehe, nicht die Höhenflüge", sagt der Münchner Psycho-analytiker Wolfgang Schmidbauer. Ist diese Toleranz nur schwach entwickelt, kracht es früher oder später.

Szenen einer gescheiterten Ehe gleichen sich: Die Vortrennungsphase ist durch ambivalente Gefühle, Streitereien oder distanziertes Schweigen geprägt. Die Balance von Geben und Nehmen stimmt nicht mehr, man fühlt sich genervt, allein gelassen oder gar verraten. Halbherzige Versöhnungsversuche folgen, die keine Besserung bringen. Die Kinder spüren die Spannungen und wissen oft doch nicht genau, was los ist. Vor allem vor kleinen Kindern wird die wachsende Entfremdung lieber geleugnet - solange es eben geht.

Nicht selten bringt eine heimatliche Zweitbeziehung das Scheidungsszenario ins Rollen. Dann setzt ein mörderischer Kleinkrieg ein, noch bevor es zum Bruch kommt: Der andere wird - ungeachtet der früheren Begeisterung - gnadenlos entwertet, er ist der Sündenbock - man selbst versucht, als Unschuldslamm zu erscheinen.

Derlei Abläufe sind nun auch in neuer Form im Fernsehen zu besichtigen: "Ich lass mich scheiden" heiBt eine Serie, die das ZDF ausgerechnet am Valentinstag startete.

An zwölf Tagen dürfen nun 45 Minuten lang Frauen wie Männer ihre Kränkungen und Schuldzuweisungen vor der Kamera hochkochen und im Gezocke um Geld und Kinder ihre Anwälte aufeinander hetzen. Damit es schön demokratisch zugeht, werden auch Freunde und Kinder der Streithähne befragt. Es gehe um "das Jawort zur Trennung - wie bei der Hochzeit, so emotional, so entschieden, eben nur umgekehrt", erklärte das ZDF.

Auch solle die Unterhaltungssendung, in der die Anwälte echt sind, die übrigen Personen aber von Schauspielern verkörpert werden, "komische Elemente" darbieten, weil Trennungen zwar eine ernste Sache seien, "aber eben auch Teil des Lebens". Deshalb könnten sie "durchaus mit Charme, Humor und Augenzwinkern erzählt werden" Das ist in der ersten Sendung gründlich misslungen. Sie war peinlich bis lächerlich.

Wie schwierig es ist, gemeinsam Eltern zu bleiben nach der Trennung, vor allem wenn neue Partner auftauchen, haben schon Filmklassiker wie "Kramer gegen Kramer" vorgeführt. Im wahren Leben geht es meist weder amüsant noch heroisch zu. Für die betroffenen Kinder - allein im Jahr 2000 rund 150 000 Heranwachsende unter 18 Jahren - beginnt mit der Scheidung der Eltern oft ein Drama, das sie ihr Leben lang verfolgen wird. Vor allem dann, wenn ihnen mit der Trennung ein Elternteil völlig verloren geht, und das ist bei jedem zweiten Scheidungskind der Fall. Meist ist es wie bei Anna und Conrad der Vater, der für Tochter oder Sohn zu einem Fremden wird.

Besonders hart und erbarmunglos wird häufig auf einem vermeintlichen Nebenschauplatz gekämpft - dem Umgangsrecht. Wenn es darum geht, ihre Kinder gegen den Ex-Partner zu instrumentalisieren, sind auch Männer manchmal nicht zimperlich. Seit fast acht Jahren hat Catherine Meyer, die Frau des britischen Botschafters in Washington, so gut wie keinen Kontakt mehr zu ihren Söhnen aus erster Ehe. Der deutsche Vater hatte die Kinder nach einem Ferienaufenthalt nicht wieder zu ihr nach London zurückgeschickt. Versuche in den folgenden Jahren, die Liebe ihrer Kinder zurückzugewinnen, scheiterten. Die beiden Jungen, behauptete der Vater, wollten ihre Mutter nicht mehr sehen.

Meistens jedoch sind es die Väter, die aussortiert werden, auch weil Gerichte und Jugendämter immer noch gern der fragwürdigen Ideologie folgen: Alle Macht den Müttern.

Das Ergebnis ist eine Praxis, die sich männer-, vor allem aber kinderfeindlich auswirkt: Die Frau verfügt, der Mann bezahlt, auf die Bedürfnisse der Sprösslinge achtet niemand. Allzu oft stehen die Rechte der Väter nur auf dem Papier, während die Ehefrau für ihre Anschuldigungen nicht einmal Beweise vorlegen muss. Was der Erzeugern bleibt, während sie - oft jahrelang - ihre Kinder nicht sehen, ist: hoffen und sich durch sämtliche Instanzen klagen. Ihren Kindern werden sie immer fremder - die versäumte gemeinsame Lebenszeit können sie nie wieder nachholen.

Zunächst waren es vor allem die Väter aus binationalen Ehen, die auf ihren Schicksal aufmerksam machten, etwa vergangenen Sommer mit einem Hungerstreik auf dem Alexanderplatz in Berlin. Inzwischen werden auch immer mehr inländische Fälle von Kindesentzug bekannt, protestieren auch deutsche Väter - sowie vereinzelte Mütter - lautstark, wenn ihnen ihre Ex-Partner Besuchrechte verweigern.

"Der Kampf um die Kinder", hat der Hamburger Fachanwalt für Familienrecht Gerd Uecker beobachtet, "ist härter geworden, weil die klassische Rollenverteilung verschwindet". Das Schlagwort von der vaterlosen Gesellschaft stimme "weniger denn je", erklärt der Bamberger Familienforscher Laszlo Vaskovics. Schon macht in Fachkreisen das Wort von einer "Refamilialisierung des Mannes" die Runde.

Sicher, es gibt all zu oft auch die anderen noch, Männer, die nicht oder nur mürrisch den Unterhalt für ihre Kinder und Ex-Frauen zahlen; und es gibt auch jene, die sich nach der Trennung von ihren Kindern abwenden, sich gleichgültig und lieblos zeigen. Mit 1,5 Milliarden Mark sprang der Staat im vergangenen Jahr bei Unterhaltszahlungen ein, weil sich Eltern, meistens Väter, entziehen und etwa auf Nimmerwiedersehen ins Ausland verschwinden.

Doch immer mehr Männer sehen eine Scheidung vielleicht als Betriebsunfall auf dem Lebensweg, als kleinen bis mittleren Schicksalsschlag, aber keinesfalls als Grund, den Kindern die Beziehung aufzukündigen. Juridisch ist ihre Position besser denn je: Das neue, seit 1998 geltende Kindschafsrecht sichert dem Kind den Anspruch auf Umgang mit beiden Eltern, ob verheiratet oder nicht. Dieses Recht können Tochter und Sohn, wenn sie wollen, sogar einklagen.

Was in der Theorie vernünfitg klingt, führt im Trennungsalltag, wenn Verlustängste und Rachegefühle die Oberhand gewinnen, oft zu erbitterten Stellungskriegen um jeden noch so kleinen Besuchstermin. In 15 bis 20 Prozent aller zerbrechenden Partnerschaften, hat die Familientherapeutin Ursula Kodjoe festgestellt, "kommt es zu dramatischen Konflikten, die die Entwicklung der Kinder erheblich gefährden". Kodjoe beobachtet frühkindliche Störungen ebenso wie gravierende EinbuBen beim Selbstwertgefühl oder eine oft lebenslange Beziehungsunfähigkeit.

"Die Kinder haben kein Modell für eine gelungene Paarbeziehung", erklärt die Spezialistin. In schlimmen Fällen könne "die Ausgrenzung eines Elternteils durch Entfremdung über Generationen weitergegeben werden".

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch die amerikanischen Wissenschaftlerinnen Judith Wallerstein und Julia Lewis, die in einer 25 Jahre dauernden Studie die langfristigen Folgen von Scheidungen untersucht haben. Als Erwachsene, so Wallerstein/Lewis, befinden sich Scheidungskinder in einem emotionalen Dilemma. Sie schwanken zwischen ihrer Sehnsucht nach Bindung und einer intensiven Angst, in Liebesdingen zu scheitern wie ihre Eltern. Tatsächlich werden überdurchschnittlich oft aus Scheidungskindern wieder Scheidungsopfer. Ein hoher Prozentsatz der von Wallerstein/Lewis untersuchten Scheidungskinder heiratete früh und lieB sich wieder scheiden.

Die Hamburger Soziologin Anneke Napp-Peters, die in Deutschland 150 Scheidungsfamilien zwölf Jahre lang beobachtet hat, ist überzeugt, dass jede Scheidung kurzfristige Symptome bei Kindern gleich welchen Alters hervorruft. (Anneke Napp-Peters: "Familien nach der Scheidung". Verlag Antje Kunstmann, München; 180 Seiten; 14,90 Euro). Langfristig jedoch bestimme nicht die Trennungsphase darüber, ob Kinder später als Erwachsene stabile Beziehungen aufbauen können. Napp-Peters: "Ausschlaggebend sind vielmehr der Familienstil, der Umgang der Familienmitglieder untereinander, und hier vor allem die Beziehungen und elterlichen Aktivitäten nach der Scheidung", die es jedem Partner erlauben, "verantwortlich am Leben seiner Kinder teilzunehmen".

Die Wirklichkeit sieht anders aus - und trifft die Geschlechter in unterschiedlicher Weise. Jungen, so legt Napp-Peters in ihrer Studie dar, leiden häufiger als Mädchen unter Schulängsten und Lernschwierigkeiten. Auf die Trennung der Eltern reagieren sie mit destruktivem Verhalten, sie verlegen sich aufs Klauen, bekommen Wutanfälle, quälen Tiere, lügen notorisch oder laufen weg.

Bei den Mädchen zeigen sich die emotionalen Folgen subtiler. Sie behalten ihren Kummer meist für sich, leiden aber unter depressiven Gefühlen, können sich nur schlecht konzentrieren und bekommen Probleme in der Schule. All diese kindlichen Reaktionen treten häufig nur vorübergehend auf, sie verschwinden, sobald die Kinder sich mit der neuen Lebenssituation arrangiert haben.

So lautet das wirklich alarmierende Fazit der Studie: Bei jedem zweiten Kind mit anhaltenden Störungen - etwa Alkohol- und Drogenprobleme - bestand schon bald nach der Scheidung kein Kontakt mehr zum nichtsorgeberechtigten Elternteil.

Markus Molnar war acht Jahre alt, als der Vater aus seinem Leben herausgedrängt wurde. Seine Enttäuschungen und Selbstzweifel konnte der heute 23-Jährige nur mit therapeutischer Hilfe verarbeiten. Zu Hause herrschte ein richtiger "Bandenkrieg" gegen seinen Vater, erinnert sich Molnar.

Auch bei verstoBenen Männern verursachen die Misserfolge im Kampf um ihre Kinder seelische Blessuren. "Ich habe hier oft Väter in schlimmster psychologischer Verfassung", sagt Psychologin Grosser.

Ein Wunder ist das nicht, denn für die ausgemusterten Väter beginnt mit der Trennung von ihren Kindern ein Wettrennen gegen die Zeit - und das ist kaum zu gewinnen. Wer sich die Liebe von Zwei- oder Dreijährigen erhalten will, kann nicht Jahre auf ein Gerichtsurteil warten. Genau das ist aber vor deutschen Familiengerichten derzeit die Praxis.

Gutachter und Richter sind ständig überlastet. Allein vor den Berliner Familiengerichten hat sich die Zahl der Fälle von 1998 bis 2000 um neun Prozent erhöht. Statt zügig einen Termin zu bekommen, müssen Betroffene Monate warten, bis sie ihre Beschwerde überthaupt vortragen können. Eine "ordnungsgemäBe Bearbeitung", teilte ein Berliner Richter kürzlich einem klagenden Elternteil mit, sei "derzeit leider nicht möglich".

Seit neun Monaten, sagt Thomas H., warte er, dass ein Gutachter den Seelenzustand von Anna und Conrad analysiert. "Es wird verschleppt und verschleppt", klagt der genervte Vater, "und irgendwann werden die Richter mir dann sagen, was wollen Sie eigentlich, Ihre Kinder kennen sie doch gar nicht mehr."

Der fünfjährige Conrad aus der ersten Ehe der Mutter zeigt nach ihren Aussagen deutliche Wahrnehmungs- und Entwicklungsstörungen. Der Junge erlebt den Trennungsschmerz nun schon zum zweiten Mal.

Das Amtsgericht Neustadt am Rübenberge scheint davon üngerührt. Statt auf die Mutter einzuwirken, nahm es Thomas H. im Mai vergangenen Jahres das Sorgerecht. Es könne "dahingestellt bleiben", heiBt es in dem Beschluss, "aus welchen Gründen die Mutter jeglichen Kontakt" zu ihm ablehne. Das alleinige Sorgerecht für seine Ex-Frau diene dem Kindeswohl am besten.

Väter, denen es endlich doch gelungen ist, ihr Besuchsrecht gerichtlich durchzusetzen, sind of nicht besser dran. Immer wieder beobachtet Katharina Behrend, psychologische Sachverständige aus Lemgo, "dass sich Eltern auf Besuchstermine geeinigt haben, und dennoch hat der Vater das Kind Jahre nicht gesehen".

Manchmal reicht es schon, dass die Mutter betont, wie traurig sie ist, um den Sohn oder die Tochter in erhebliche Loyalitätskonflikte zu stürzen. Aus den Treffen mit dem Vater wird dann nie etwas.

Zwar könnten die Gerichte Zwangsgeld gegen denjenigen verhängen, der geschickt das recht des anderen zu unterlaufen weiB. Im Extremfall stünde sogar das Sorgerecht zur Disposition. Doch anders als in den USA und vielen europäischen Nachbarländern, in denen bei anhaltender Renitenz sogar Haftstrafen drohen, bleibt in Deutschland der Widerstand gegen Anordnungen der Familiengerichte meist ungeahndet.

Wie im Fall des Versicherungsvertreters Matthias Kessler (Name geändert), 42. Seine Frau verlieB ihn samt dem 14 Monate alten Baby und zog zu ihren Eltern, die 650 Kilometer entfernt wohnten. Mit Mühe erhielt Kessler das Recht, seinen Sohn alle drei Wochen für drei Stunden zu sehen.

Er fuhr, zur Überraschung seiner Frau, regelmäBig 650 Kilometer hin, spielte drei Stunden mit seinem Sohn und fuhr die 650 Kilometer wieder nach Hause. Damit, so sagt er, "hat meine Ex-Frau nicht gerechnet". Er wollte seinen Sohn häufiger sehen, doch Besuche zwischendurch waren unmöglich. Mal hieB es, das Kind sei krank, mal hatte seine Frau in letzter Minute etwas anders mit dem Jungen geplant, dann wieder war Ostern. Oft, so der Verdacht des Vaters, wollte sie einfach nicht, dass der Sohn ihn sah.

Die Ohnmachtsgefühle, die Kessler damals empfand, machen ihm heute noch zu schaffen. Hinzu kam das Verhalten seiner Ex-Schwiegereltern, die ihm deutlich machten: Du zahlst, den Kleinen haben wir eingesackt, unsere Tochter ist auch wieder bei uns, und wenn du einen falschen Schritt machst, kriegst du das Kind gar nicht mehr zu sehen. Kessler: "Ich fühlte mich wie durch den Fleischwolf gedreht."

Zunächst dachte er noch, im Jahr der Trennung sei alles vorläufig. "Quatsch!", sagt er heute erbittert. "Da werden die Weichen wunderbar gestellt. Heute wäre ich schlauer." Kessler, der sich inzwischen ebenso wie Thomas H. bei der bundesweit organisierten Gruppe "Väteraufbruch für Kinder" engagiert, hätte damals gern das Sorgerecht für sich beansprucht. Doch sein Anwalt machte ihm klar, dass seine Ex-Frau alle Trümpfe in der Hand hatte. Der sarkasitsche Ratschlag des Juristen lautete: "Weisen Sie nach, dass die Mutter das Kind schwer misshandelt oder missbraucht oder dass sie drogenabhängig ist. Sonst haben Sie keine Chance."

Die Besuchsregelung wurde schlieBlich auf drei Stunden alle 14 Tage erweitert, und inzwischen ist Kessler in die Nähe seines Sohnes gezogen. Ihr Verhältnis ist gut. Sein Engagement bei "Väteraufbruch" findet er weiterhin wichtig, er betreibt es vehement, "damit gesellschaftlich endlich etwas in Bewegung kommt".

Familienrechtler und Psychologen zeigen sich mittlerweile sensibel für das, was Kessler und andere Väter durchmachen. Sie sprechen von einer massenhaften Verletzung der verbürgten Menschenrechte. "Für manche entfremdeten Eltern", sagt der amerikansiche Psychiater Richard Gardner, "ist der ständige Schmerz eine Art lebender Tod des Herzens."

Nur auf deutschen Richterbänken findet diese Botschaft bisher wenig Gehör. In vier Urteilen hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bereits die hiesige Praxis scharf kritisiert. Der erste Fall, der damit Rechtsgeschichte schrieb, war der des 54-jährigen Egbert Elsholz. Der Hamburger hatte über zehn Jahre vergebens versucht, sich ein Besuchsrecht bei seinem unehelichen Sohn Carsten zu sichern. Weil die Mutter des Jungen jeden Kontakt abblockte, wiesen deutsche Gerichte und Ämter den Mann immer wieder ab.

Damit aber, urteilten die StraBburger Richter, haben sie das Recht des Vaters auf Familienleben und ein faires Verfahren verletzt. Zur Strafe musste die Bundesrepublik 35000 Mark an Elsholz zahlen.

Ein juristischer Erfolg - seinen Sohn hat er möglicherweise dennoch verloren. An einem Kontakt mit ihm, teilte der 15-jährige Junge dem Vater brieflich mit, sei er nicht interessiert.

Scheiden tut weh - mitunter lange. Und jede Scheidung ist eine unendliche Geschichte, wenn Kinder als Faustpfand eingesetzt und in der Trennungsschlacht verheizt werden. "Um das verletzte Selbst in Sicherheit zu bringen, wird die ganze Schuld dem Partner angelastet", weiB Familienexpertin Kodjoe.

Da gebärden sich viele Mütter als Racheengel, die ihre Kinder als ihre Eigentum betrachten und sie - in fataler Indoktrination - zu Verbündeten machen. Ihnen selbst fällt die Gefühlsmanipulation nicht einmal auf. Sie fühlen sich im Recht.

"Ich will meinen Vater nicht sehen", trumpfte beispielsweise die neunjährige Violetta am Richtertisch in Köln bei einer Befragung auf. Sie erklärte das nicht zum ersten Mal, sie hatte es bereits kurz nach der Trennung behauptet.

Inzwischen hat Violetta ihren Vater bereits drei Jahre lang kaum gesehen. Ihre Mutter, eine Kölner Sekretärin, leugnet nicht, ihre Tochter beeinflusst zu haben und keinerlei schlechtes Gewissen plagt sie dabei. "Er hat mich sitzen lassen wegen einer Jüngeren", sagt sie. "Warum sollte ich ihm jetzt mein Liebstes anvertrauen?"

Der Schmerz, der solche Egozentrik nährt, mag verständlich sein. Aber wieso kann ein Mädchen bereits wenige Wochen nach der Trennung von seinem Vater, mitdem es vorher in Einklang lebte, so etwas von sich geben, ohne dass Jugendamt und Richter hellhörig werden ?

Die Liebe des Kindes nicht teilen zu müssen ist ein machtvolles Motiv. Es erscheint verlockend, sich zu rächen, zu strafen, den anderen für das Scheitern der Ehe verantwortlich zu machen und ihn zu entsorgen, getreu dem Grundsatz: als Partner versagt, also auch als Elternteil unzureichend und letzlich verzichtbar.

Zeitweilige oder systematische Ausgrenzung führt häufig zu Entfremdung, die Kinder in Loyalitätsverwirrung stürzt, ihre Liebe missbraucht und ihren Willen bricht. Die scheinbar freien ÄuBerungen werden vor Gericht nicht selten naiv missinterpretiert.

Parental Alienation Syndrome (PAS) - zu Deutsch: Syndrom der Elternentfremdung - nennen die Psychologen diese massive Beeinflussung, die Gardner seit den achtziger Jahren erforscht. Er und amerikanische Kollegen vergleichen den Vorgang mit Gehirnwäsche oder jener Art von Programmierung, wie Sekten sie anwenden.

Das Problem der Entfremdung mit all ihren Folgen wurde bisher von Eltern, Sozialarbeitern, Rechtsanwälten und Gutachtern unterschätzt. So hatte der Hamburger Vater Elsholz allen Grund, sich Sorgen zu machen, als sein damals siebenjähriger Sohn 1993 vor Gericht zu Protokoll gab, sein Vater sei "böse" und "doof". Er wolle ihn deshalb auf keinen Fall wieder sehen: "Mutti sagt immer, Egbert ist gar nicht mein Vater."

Die Richter machte die aggressive Abwehr, die so typisch ist für PAS-geschädigte Kinder, nicht stutzig. Statt auf die Einwände des Vaters zu hören, wiesen sie Elsholz immer wieder ab.

Ein konsequenter Umgangsboykott mit entsprechender Herabsetzung des anderen stürzt ein Kind in Loyalitätskonflikte. Kinder müssten ihre Eltern als Team erfahren, das zusammenarbeitet, auch wenn die Liebe nicht mehr funktioniert, fordert Therapeut Schmidbauer, sie müssten erleben, dass die Eltern sich austauschen und respektieren, dass sie nicht unter dem Müll der gescheiterten Liebesbeziehung ersticken, sondern ihn wegräumen, um den Kindern Platz zum Atmen zu verschaffen. Solche verantwortlichen Umgangsformen mit einer gescheiterten Ehe sind für die Kinder günstiger als das Festhalten an einer für alle quälenden Beziehung.

Ausgrenzende Mütter und Väter, die über ihre Kränkungen nicht hinwegkommen, geraten spätestens in der Pubertät ihrer Kinder in üblen Stress, prophezeit Scmidbauer. Die Pubertät ist die Zeit, in der Teenager normalerweise ihre Eltern entidealisieren. Wie aber soll sich ein Kind von einer Mutter lösen, die es nach der Scheidung total an sich gebunden hat ? Häufig falle es ins Bodenlose, so Schmidbauer, es müsse die Beziehung regelrecht kaputtmachen, um sich zu befreien.

Ganz selten einmal, etwa bei sexuellem Missbrauch, ist es für ein Kind notwendig, wenn es vor einem Elternteil geschützt wird. In den meisten Fällen aber schädigen Mütter und Väter, die die andere Bezugsperson des Kindes eliminieren, sich selbst und das Kind. Verwandte und Freunde, die gegen den oder die "Ex" hetzen, werden zu Komplizen in einem destruktiven Prozess.

Stattdessen rät Schmidbauer seinen Klienten zu einer Art Arbeitsverhältnis nach der Ehe: Selbst wenig Kontakt ist sehr viel besser als gar kein Kontakt. Der abwesende Elternteil sollte auf Stand-by schalten, verlässlich erreichbar sein über Telefon oder E-Mail, regelmäBig Geburtstagsgeschenke schicken, Urlaubsangebote machen. Dann werde der Kontakt zum Kind, prophezeit er, im Lauf der Zeit immer besser.

Zwar hinkt die juristische Praxis in Deutschland hinterher, aber es gibt ja Europa. Die Justizminister der EU arbeiten mittlerweile daran, europaweit einheitliche Regelungen für Sorge- un Besuchsrecht zu vereinbaren. In unseren Nachbarländern, sagt der Offenbacher Familienanwalt Sven Fröhlich, "löst das deutsche Problem mit dem Umgangsrecht nur Kopfschütteln aus. Deutsche Juristen bekommen immer öfter von ihren europäischen Kollegen vorgehalten: Ihr macht lange Verfahren mit Jugendamt und Sachverständigen, und dann wird gar nichts umgesetzt".

Vorbild für eine bessere Praxis könnte Norwegen sein. Seit 1991 existiert dort ein wahrhaft salomonisches Verfahren: Um fangfristiges juristisches Gezerre zu verhindern, müssen Eltern und Kinder an einer auBergerichtlichen Schlichtung teilnehmen. Wer sich nicht an die getroffenen Vereinbarungen über den Umgang mit dem gemeinsamen Kind hält, kann auch nach Jahren noch das Sorgerecht verlieren.

In einem Aufsehen erregenden Prozess entzog der norwegische Oberste Gerichtshof 1991 einer Mutter, die den Vater ihres siebenjährigen Sohnes über Jahre stets verteufelt und den Kontakt des Kindes mit ihm systematisch verhindert hatte, das Sorgerecht. Der Junge kam zum Vater, obgleich er den sechs Jahre lang nicht gesehen hatte. "Bei einer Gerichtsentscheidung", begründeten die norwegischen Richter ihr Urteil, "kann man nicht nur die unmittelbare Situation und die nächste Zukunft im Auge haben. Die Entscheidung hat Bedeutung für das Kind, bis es erwachsen wird, und in vielen Fällen noch länger."

Der Osloer Rechtsprofessor Peter Lodrup sieht in der Praxis seines Heimatlandes, streitende Eltern im Zweifel zur Einsicht zu zwingen, einen weiteren Vorteil:"Hat die Mehrheit der Bevölkerung erst einmal die Einstellung, dass die gemeinsame elterliche Sorge das Normale nach einer Trennung ist", so Lodrup schon 1993 auf dem Deutschen Familiengerichtstag, "kann das auch dazu beitragen, dass eine Kooperationsbereitschaft zwischen den Eltern geschaffen wird."

Noch lässt ein solcher Bewusstseinswandel in Deutschland auf sich warten. Ein knappes Jahrzehnt, schätzt Psychologin Grosser, werde es dauern, bis sich bei Gutachtern und Richtern, Eltern und Anwälten die Einsicht durchgesetzt habe, dass "ein Kind ein Grundrecht auf Vater und Mutter hat".

Schlechte Aussichten für Thomas H. Der ausgesperrte Vater will dennoch nicht aufgeben. Eines Tages, glaubt er, werden "meine Kinder vor der Tür stehen und fragen: Papa, wo warst du eigentlich die ganze Zeit?" Dann, sagt er, "muss ich ihnen Rede und Antwort stehen, das bin ich ihnen schuldig".

KAREN ANDRESEN, ANGELA GATTERBURG

 

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Scheidungskinder, -väter, -mütter

Seitdem es das Internet gibt, lesen wir fast täglich von neuen "Fällen", in denen Mütter und Väter nach einer Trennung um ihre Kinder kämpfen. Nicht selten spüren wir am anderen Ende des Monitors, wie emotional die Zeilen niedergeschrieben wurden, wenn es etwa heisst: Ich werde kein Mittel auslassen, um zu verhindern, dass mein(e) Ex die Kinder noch einmal sieht. Wir lesen von gegründeten oder gesuchten "Selbsthilfegruppen", in denen Strategien für eine erfolgversprechende Argumentation gegen das Umgangs- , Besuchs- oder Sorgerechtsbegehren der PartnerInnen gefunden werden sollen.

Was wir aber alle immer und immer wieder vergessen, sind die betroffenen Kinder. Ich beziehe mich hier durchaus mit ein, denn auch ich habe vor achtzehn Jahren nichts ausgelassen, um "mein" Kind vor dem Vater zu "schützen". Heute ist meine Tochter erwachsen und ich würde die Zeit gern zurückschrauben, mich anders verhalten, indem ich nicht "mich" in erster Linie sehe und "meine" Einstellung zu meinem damaligen Mann, sondern einzig und allein das Kind entscheiden lasse, was sie sich für eine eigene Meinung zu ihrem Vater bildet im Laufe der Jahre. Ich habe damals einen grossen (und nicht mehr rückgängig zu machenden) Fehler gemacht, denn ich war es, die unserer Tochter den Vater genommen hat. Dass er nach 3 Jahren Kampf dann schliesslich aufgab und gar keinen Kontakt mehr zu dem Kind haben wollte, war mir auch nicht recht, doch war es aus heutiger Sicht nur zu verständlich. Gelitten hat allein die Tochter, denn sie ist letztendlich ohne Vater aufgewachsen und hat heute, mit ihren 20 Jahren, kein sehr gutes Männerbild. Muss ich mich darüber wundern?

Sollte nun jemand glauben, das neue Kindschaftsgesetz habe hier etwas Grundsätzliches für das Wohl des Kindes geändert, so ist das leider ein Irrtum. Auf Antrag eines Elternteils kann gegen das nun generell geltende gemeinsame Sorgerecht Widerspruch eingelegt werden und die hier vertretenen RechtsanwältInnen werden bestätigen, dass ihre MandantInnen rege Gebrauch davon machen. Der Rachefeldzug gegen die ehemaligen Partner geht weiter, das "Instrument" bleibt weiterhin das Kind. Es ist sicher nicht leicht für uns Menschen, Demütigungen aus einer Beziehung hinzunehmen, zu vergessen, wie sehr er oder sie uns verletzt hat. Und automatisch sagen wir nur zu schnell, wenn auch nicht laut: Dem/der werden wir es heimzahlen. Ein aus der Hilflosigkeit und Wut geborenes, willkommenes "Mittel zum Zweck" ist hier "unser" Kind, denn das ist es ja, was er/sie nicht verlieren will. Mit der Verweigerung des Besuchs-, Umgangs- oder Sorgerechts können wir ihm/ihr also am meisten schaden und im Gegenzug mit barer Münze zurückzahlen, was er/sie uns angetan hat. Hand aufs Herz: ist es nicht häufig so, ohne dass wir uns vielleicht darüber bewusst sind?

Das Internet ist für mich aber auch ein Medium, um etwas an Sensibilität in die Welt zu tragen. Einen Denkanstoss zu geben und vielleicht ein bisschen mehr Frieden in unseren eiskalt gewordenen Alltag zu bringen, soweit das überhaupt auf offene Ohren (und Herzen) stösst.

In den vergangenen Monaten lernte ich zahlreiche Väter kennen, Scheidungs- und Trennungsväter, die mir von ihren Schicksalen erzählten. Väter, die keinen Kontakt mehr zu ihren Kindern haben dürfen, weil die ehemaligen Partnerinnen (teilweise mit "geschickter Argumentation") die RAe, Jugendämter und Gerichte mobilisiert hatten, ihnen das alleinige Sorgerecht zuzusprechen und dem Vater jeglichen Kontakt zu den gemeinsamen (!) Kindern untersagten. Selbst ein in den Raum geworfener Kindesmissbrauch ist hier keine Seltenheit, wenn es darum geht, das "eigene" Kind für sich "BEHALTEN" zu wollen. Dass der Vater nach der Trennung plötzlich zum Alkoholiker abgestempelt wird, das Kind unruhig schläft, wenn es vom Besuch beim Vater zurückkommt, die schulischen Leistungen nach einem solchen Besuch drastisch abfallen, das alles sind die harmlosesten Vorwürfe, die in den entsprechenden Akten nachzulesen sind. Liest man sich ein in diese "Fälle", fragt man sich allen Ernstes, wie diese Frau, die ihrem Ex-Partner dies alles vorwirft, diesen Mann jemals geliebt haben kann, wenn er doch offensichtlich so ein Sch.... ist.

Jede Frau, jede Mutter, die das alleinige Sorgerecht für "ihr" Kind beantragen will, die jeglichen Umgang des Vaters mit dem Kind verhindern will, möchte ich einladen, einige Tage Gast zu sein in einer Begegnungsstätte für Scheidungs- und Trennungsväter (es gibt nur vereinzelte Privathäuser dafür bisher). Schauen Sie sich an, was aus den Vätern geworden ist. Sprechen Sie mit ihnen und lassen Sie sich erzählen, wie die Väter seit dem Kindesentzug mit ihrem Leben umgingen. Sehen Sie zu, wie die Väter weinen und Sie ihre echte Verzweiflung spüren. Vom Verlust der eigenen Persönlichkeitsstruktur bis zum Verlust des Arbeitsplatzes und sozialen Umfeldes können Sie hier alles hautnah erleben. Und dann sagen Sie mir, liebe Geschlechtsgenossinnen, ob wir Frauen nicht doch endlich an uns und unserem Egoismus arbeiten sollten. Es geht nicht um uns, es geht um die Kinder! Und es geht auch um die Väter, die es nicht verdient haben, ihre Kinder zu verlieren - trotz aller möglicherweise verletzenden und gemeinen Dinge, die sie UNS vielleicht angetan haben mögen. Wenn Sie die Väter kennenlernen, die auf der "anderen Seite" sind, wenn Sie sie leiden sehen, dann denken Sie vielleicht nicht mehr gar so schnell, dass ein Umgang mit den Kind/ern gar so schlecht wäre, denn er liebt sein eigen Fleisch und Blut nicht minder als Sie. Oder wo steht geschrieben, dass eine Mutter "ihr" Kind mehr liebt als ein Vater? Wer mag das definitiv hier belegen und mit welchem Recht??

Ich jedenfalls bin sehr nachdenklich geworden und fragte mich, was ich tun kann. Es ist sicher nicht viel, denn ich werde die Welt nicht verändern können. Dennoch möchte ich das Gespräch suchen mit den Müttern, die aus der momentanen Situation des Verletztseins und des Trennungsschmerzes heraus vielleicht ein Rad ins Rollen bringen, unter dem die Männer und Kinder letztendlich liegenbleiben. Und ich möchte dazu beitragen, den Scheidungs- und Trennungsvätern einen Anlaufpunkt zu geben, wenn sie nicht mehr weiterwissen. Die Emanzipationsbewegung damals hatte sicher seinen Sinn und ich halte sie auch für sehr wichtig. Allerdings habe ich heute oft das ungute Gefühl, dass wir Frauen das Zepter in die Hand nehmen und die Welt regieren wollen. Es gibt Frauenhäuser, Frauenbegegnungsstätten, Frauenberatung, Frauenförderung, Mütterbeauftragte, Mütterberatungsstellen, Hilfen für alleinerziehende Mütter, Frauenbeauftragte, die Liste ist endlos lang. Sicher hat alles auf seine Art auch eine Berechtigung und es ist gut, dass von Seiten der Politik geholfen wird. Wo aber sind die Männerhäuser, die Männerministerien, die geförderten Männerprojekte, die Eingliederungsmöglichkeiten sozial abgerutschter Väter?

Es gibt inzwischen einige Vereine, Institutionen, die hier Hilfe für Scheidungs- und Trennungsväter anbieten, wie zum Beispiel "Pappa.com", "ISUV" und den "Väteraufbruch e.V.". Hier engagieren sich Väter und finden Gleichgesinnte und Ansprechpartner. Aber was immer noch fehlt, sind die nötigen öffentlichen Förderungen. Ich habe einen Mann kennengelernt, der sein privates Haus als Begegnungsstätte für betroffene Väter zur Verfügung stellt, der sein Hab und Gut der "Sache" zukommen lässt und der in allen Instanzen kämpft, um etwas zu erreichen für die dringend notwendige Hilfe. Doch die Ohren der Ministerien bleiben abgewandt. Wenn es nun Frauen wären, Mütter, ja, da sehe die Sache wahrscheinlich anders aus. Dem "schwachen" Geschlecht aus öffentlicher Hand zu helfen, ist chic und kommt nach aussen immer gut an (bringt ja auch Wählerstimmen). Doch die Zeit ist reif für die Emanzipation des Mannes!

Um diese Sensibilität in der Öffentlichkeit dafür zu wecken, werde ich mich engagieren und unterstütze einen Verein, der sich "Väteraufbruch für Kinder Kreisverein Havelland-Brandenburg e.V." nennt. Der Kreisverein VAfK Havelland-Brandenburg ist im Aufbau begriffen und ein höchst motivierter und engagierter Vorstand ist der beste Garant dafür, dass hier etwas in Bewegung kommt, was längst überfällig ist. Es existieren Konzepte für Projekte wie ein "Vater-Mutter-Kind-Haus Havelland" und eine "Vater-Mutter-Kind-Stadt", die den Trennungsfamilien einen vernünftigen Umgang miteinander bieten sollen. Die Betonung liegt auf einen Umgang "miteinander" und nicht wie bisher gegeneinander.

Zur Realisierung dieser Projekte, die auf Wunsch gern konkret vorgestellt werden können, benötigt der Verein Hilfe, da von staatlicher Seite bisher noch keine Förderung bewilligt wurde. Der Bundesverein Väteraufbruch für Kinder e.V. ist eingetragen im Vereinsregister Amtsgericht Bonn Nr. 5814. Neben der dringend benötigten finanziellen Unterstützung, für die wir ein Spendenkonto (Kto: 299 166 - 503, Postbank Köln, BLZ: 370 100 50, Stichwort: KV Havelland-Brandenburg, Vater-Mutter-Kind-Haus) eingerichtet haben, arbeiten wir derzeit parallel zu den anderen Aktivitäten aber auch noch an einem Projekt, an dem sich alle Scheidungs- und Trennungsväter beteiligen können. Wir haben begonnen, ein gemeinsames Buch zu schreiben unter dem Titel: "Mama, was ist ein Pappa?" (c). Der gesamte (!) Erlös aus dem Verkauf dieses Buches soll dem Verein VAfK Havelland-Brandenburg, der Aufrechterhaltung der Begegnungsstätte im Havelland, der Realisierung von den o.g. Projekten, den betroffenen Vätern und Kindern zugute kommen!

In diesem Buch möchten wir Geschichten von Vätern vorstellen, die sie aus der Erinnerung im Umgang mit ihren Kindern niederschreiben. Ein kurzes Erlebnis, das Ihnen als Vater vielleicht als schönste Erinnerung geblieben ist. Neben einer Ist-Analyse soll dieses Buch fünfzig oder hundert Geschichten von Vätern und ihren Kindern beinhalten. Ebenso sind einige Fotografien von Vätern mit Kindern aus dem Alltag - aus Reihen der betroffenen Väter, aber auch von Prominenten - wünschenswert. Der Ausklang soll eine Darstellung werden, in der Wege aus der vaterlosen Gesellschaft aufgezeigt werden. Das Projekt des Vater-Mutter-Kind-Hauses im Havelland soll abschliessend als Modell dargestellt werden, ebenso wie die Vision einer Vater-Mutter-Kind-Stadt. Erreicht werden soll damit, ein neues positives Vaterbild darzustellen! Ziel ist es, einen finanziellen Grundstock für das Projekt zu erarbeiten und das Haus so bekannt zu machen, dass es in weiteren Städten und Landkreisen bald schon Nachfolgehäuser für Väter mit Kindern gibt. Ausserdem wollen wir etwas Nachdenkliches für Eltern und etwas zum Vorlesen für die Kinder schaffen. Kurz vor Weihnachten soll unser Gemeinschaftswerk spätestens auf dem Buchmarkt sein, damit es von den Vätern an ihre Kinder verschenkt werden kann. - Mama darf übrigens auch darin lesen. Wenn sie als betroffener Vater auch einen kleinen Buchbeitrag leisten möchten, senden sie mir Ihre Zeilen bitte per eMail. Ob wir diesen anonym oder unter Ihrem Namen veröffentlichen dürfen, teilen Sie uns bitte mit, wir werden uns selbstverständlich daran halten.

Ich hoffe, dass hier ein Grundstock gelegt worden ist für ein bisschen Nachdenklichkeit und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Gabriele Farke

 

 
   
       
 
Laatste update : 9 januari 2009 | Vragen welkom bij / Fragen sind wilkommen beim: Webmaster Top | Home