Leerstrategieën
 
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Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen:
Lernen, lehren, beurteilen

Kapitel 4   Sprachverwendung, Sprachverwender und Sprachenlernende

4.4.4 Aktivitäten und Strategien der Sprachmittlung (Übersetzen, Dolmetschen)

Bei sprachmittelnden Aktivitäten geht es den Sprachverwendenden nicht darum, seine/ihre eigenen Absichten zum Ausdruck zu bringen, sondern darum, Mittler zwischen Gesprächspartnern zu sein, die einander nicht direkt verstehen können, weil sie Sprecher verschiedener Sprachen sind (was der häufigste, aber nicht der einzige Fall ist). Zu den sprachmittelnden Aktivitäten gehören Dolmetschen und Über-setzen sowie das Zusammenfassen und Paraphrasieren von Texten in der selben Sprache, wenn derjenige, für den der Text gedacht ist, den Originaltext nicht versteht, z. B.:

4.4.4.1 Mündliche Sprachmittlung

  • Simultan-Dolmetschen (Konferenzen, Besprechungen, Reden usw.);
  • Konsekutiv-Dolmetschen (Begrüßungsansprachen, Führungen usw.);
  • informelles Dolmetschen:
  • für ausländische Besucher im eigenen Land
  • für Muttersprachler im Ausland
  • in sozialen und in Dienstleistungssituationen für Freunde, Familienangehörige, Kunden, ausländische Besucher usw.
  • von Schildern, Speisekarten, Anschlägen usw.

4.4.4.2 Schriftliche Sprachmittlung

  • genaue Übersetzung (z. B. von Verträgen, juristischen und wissenschaftlichen Texten usw.);
  • literarische Übersetzung (Romane, Dramen, Gedichte, Libretti usw.);
  • Zusammenfassung der wesentlichsten Punkte (Zeitungs- und Zeitschriftenartikel usw.) in der L2 oder zwischen L1 und L2;
  • Paraphrasieren (Fachtexte für Laien usw.).

4.4.4.3 Strategien der Sprachmittlung

Strategien der Sprachmittlung spiegeln wider, wie man mit begrenzten Mitteln Information verarbeiten und eine äquivalente Bedeutung herstellen kann. Dieser Prozess kann erfordern, dass man vorausplant und seine Hilfsmittel organisiert und maximiert (Hintergrundwissen entwickeln; Unterstützung suchen; ein Glossar vorbereiten) und dass man überlegt, wie die bevorstehende Aufgabe zu lösen ist (Abwägen der Bedürfnisse des Gesprächspartners; Bestimmen des Umfangs der Übersetzungseinheit). Während des Prozesses des Dolmetschens, des Erklärens oder des Übersetzens muss der Mittler antizipieren, was als Nächstes kommt, während er oder sie noch formuliert, was gerade gesagt wurde: Er/sie jongliert also normalerweise mit zwei verschiedenen Informationsbündeln oder Übersetzungseinheiten zugleich (Vorausschauen). Er/sie muss sich merken, wie man bestimmte Dinge ausdrückt, um das eigene 'Wörterbuch' zu erweitern (Möglichkeiten, Äquivalenzen festhalten), und muss sich 'sichere Inseln' (vorgefertigte chunks) schaffen; dies wiederum setzt Verarbeitungskapazitäten für das Vorausschauen frei. Außerdem muss er/sie auch Techniken einsetzen, um Unsicherheiten zu umschiffen und einen Zusammenbruch des Übersetzungsprozesses zu vermeiden, und dabei zugleich den Blick weiter auf das Kommende richten (Lücken überbrücken). Evaluiert wird dabei sowohl auf kommunikativer (Kongruenzen prüfen) als auch auf linguistischer Ebene (Konsistenz in der Sprachverwendung prüfen); dies führt, vor allem beim schriftlichen Übersetzen, zu Korrekturen, etwa durch das Heranziehen eines Nachschlagewerks, oder indem man Menschen befragt, die sich in dem betreffenden Gebiet auskennen (Verfeinern durch das Nachschlagen in Wörterbüchern, in einem Thesaurus, durch Expertenbefragung, durch das Heranziehen anderer Quellen).

Planung: - Hintergrundwissen entwickeln
- Unterstützung suchen
- ein Glossar vorbereiten
- die Bedürfnisse der Gesprächspartner abwägen
- Umfang der Übersetzungseinheit auswählen
Ausführung: - antizipieren/vorausschauen: Verarbeiten der Eingabe und gleichzeitiges Formulieren des letzten Bündels in Echtzeit
- Möglichkeiten und Äquivalenzen finden
- Lücken überbrücken
Evaluation: - die Kongruenz zweier Versionen prüfen
- die Konsistenz in der Verwendung prüfen
Korrektur: - Verfeinern durch Heranziehen von Wörterbüchern, eines Thesaurus
- Experten befragen, Quellen nutzen

Es gibt hierzu noch keine Skalen.

Die Benutzer des Referenzrahmens sollten bedenken und, soweit sinnvoll, angeben,
  • in welchen sprachmittelnden Aktivitäten die Lernenden aktiv werden müssen, wie sie darauf vorbereitet werden sollen und was von ihnen in dieser Hinsicht erwartet wird.