Bevor wir mit der eigentlichen Verfassung des Wörterbuches anfingen, mussten wir einige grundsätzliche Fragen klären:

  1. Die Rechtschreibung: Wie schreibt man eine Sprache, die im Grunde nur mündlich gebraucht wird, und für die es keinerlei Rechtschreibregeln gibt?
    Das Endergebnis, das wir hier vorstellen, ist im Laufe der Jahre gereift und wurde einige Male gründlich überarbeitet.
  2. Technik: Wie geht man vor, um eine so umfangreiche Arbeit ständig im Griff zu haben und dabei stets die nötige Flexibilität und Übersichtlichkeit zu gewährleisten?
BRF Am 21. Dezember 2003 sendete der BRF (Belgischer Rundfunk) in der Mundartsendung "Echo Nord" von Pierre Peusgen ein halbstündiges Interview der Wörterbuch-Mitarbeiter Pierre Straet und Jean Gerrekens. Dieses Interview mit exklusiver Information über unser Wörterbuch ist jetzt auch hier in voller Länge zu hören.

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Rechtschreibung

Hier geben wir einen kurzen Überblick über die orthographischen Regeln, die wir für unsere Mundart ausgearbeitet haben. Ausführlicheres dazu finden Sie in der Einleitung des Wörterbuches selbst.

Wir beschlossen, die deutsche Schreibweise als Basis für die Orthographie der Gemmenicher Mundart zu nehmen, weil dies die Hochsprache ist, der das Gemmenicher Platt am nächsten liegt (mehr dazu auf der Seite über den Dialekt).

Auf dieser Grundlage versuchten wir, einen möglichst einheitlichen und kohärenten Regelsatz zu erarbeiten, wobei jeder Klang möglichst eindeutig schriftlich wiedergegeben wird, wie dies z.B. in vielen slawischen Sprachen der Fall ist. So sind auch einige überflüssige Zeichen verschwunden: x schreiben wir ks, q wird k und y und z werden je nach der Aussprache i, ü bzw. s oder ts geschrieben.

Um die Laute [ž] (z.B. frz. genou) und [g] (z.B. nl. zagen, zeggen) auch in der Schriftsprache von [j] (wie in Jacke) und [g] (wie in Gurke) zu unterscheiden, fügen wir "j" und "g" ein Zirkumflex (^) zu:
saaĝe ['zā:γ] = sagen
waĵele ['wažl] = plappern
Den Laut [s] schreiben wir "ç" in den Fällen, wo er auch zwischen Vokalen [s] ausgesprochen wird:
en klaç, twaj klaçe
Wird er zwischen Vokalen [z] ausgesprochen, so schreiben wir "s":
ene haas, twaj haase
Mit den Vokalen ging es nicht so eindeutig wie mit den Konsonanten. Die Dehnung ("langer" Vokal) geben wir durch Verdopplung des Vokals an.
de val [val] = die Falle
der vaal [vā.l] = der Fall
Schwieriger ist es mit den Vokalen o, ö und e, die auf verschiedene Art und Weise ausgesprochen werden können.
Ein weiteres Merkmal des Gemmenicher Dialekts liegt in der "singenden" Aussprache mancher Vokale, dem sog. Schleifton. Dies konnte auch unmöglich in der Schrift wiedergegeben werden, ist jedoch äußerst wichtig zur Unterscheidung mancher ansonsten identischer Wörter.
Schleifton: kaal [kā.l] = Gerede
Stoßton: kaal [kā:l] = kahl
Für jedes Wort geben wir darum auch die Aussprache in phonetischer Schrift an.

Technik

Computer Am Anfang schrieben wir alle Wörter auf Karteikarten, doch bald erwies sich der Computer als praktischeres Werkzeug.

Am schwierigsten war es, die phonetischen Zeichen auf Papier zu bringen, da musste schon kräftig an Druckertreibern gebastelt werden, und am Bildschirm erschienen nur komische Zeichen, die per 3stelligen Tastencode eingegeben werden mussten.
Das war Pionierarbeit, doch es lohnte sich. Hätten wir das nicht getan, so wäre zum Beispiel jede spätere Nachbesserung der Rechtschreibungsregeln fast umöglich gewesen. PDF

Im Laufe der Jahre verbesserte sich auch die Technologie zusehends, und am Ende ware wir in der Lage, dem Verlag die Druckvorlage für das ganze Wörterbuch in digitaler Form (PDF Format) zu liefern.

Word Zur Eingabe und Gestaltung benutzten wir das Textverarbeitungsprogramm Microsoft Word. Es bietet ziemlich komplexe Seitengestaltungsmöglichkeiten, wie etwa automatisches Einfügen des ersten oder letzten Wortes einer Seite in den Seitenkopf, automatische Generation eines Stichwortverzeichnisses, usw.

Wie eine Seite des Wörterbuchs aussieht, sehen Sie hier.

Den größten Fortschritt bedeutet der sog. Unicode-Zeichensatz, der fast alle speziellen und diakritischen Zeichen enthält.

Fontographer Dennoch fehlten uns einige, die wir mit Hilfe des Zeichenentwurfsprogramms Macromedia Fontographer selbst erstellt haben. Da es hier nicht um künstleriche Schaffung geht, sondern lediglich um das Zusammenfügen bestehender Symbole für die fehlenden Kombinationen, ist das Ergebnis absolut professionell und sind die "selbstgemachten" nicht von den übrigen Zeichen zu unterscheiden.